[Rezension] Aquarius

 

Autor: Thomas Finn
Verlag: Piper Verlag
Format: Paperback
Seitenzahl: 416
Erschienen: Oktober 2014
ISBN-10: 3492703372
ISBN-13: 978-3492703376

von: Christel Scheja (kris)

Früher war der 1967 in Chicago geborene aber nun schon lange in Hamburg lebende Thomas Finn eher als Autor von Fantasy- und Jugendromanen und für die Mitarbeit an Rollenspielsystemen wie „Das schwarze Auge“ bekannt, heute wagt er sich auch in andere Gefilde. Trotzdem bleibt er in seinem aktuellen Thriller „Aquarius“ der Phantastik treu.

Gibt es sie wirklich? Die geheimnisvollen Frauen aus dem Meer, von denen alte Seebären noch so gerne erzählen, die Sirenen, die durch Gesang und Schönheit Männer in den Bann schlagen, um sie in einen nassen Tod zu ziehen.

Wie jeder vernunftbegabte Mensch hält auch Jens Ahrens die Geschichten für reine Märchen. Der Waisenjunge, der auf einer Hallig gefunden wurde, ist der See treu geblieben, er arbeitet erfolgreich als Taucher in dem Team einer privaten Bergungsgesellschaft.

Als eine Seemine explodiert, die eigentlich aus dem Meer geholt und entschärft werden soll, ist Jens ganz in der Nähe. Als er wieder zu sich kommt, befindet er sich in einem Keller, gefesselt und unter Drogen gesetzt. Und er ist nicht allein.

Ihm gelingt zwar schon nach kurzer Zeit die Flucht, doch ihn lässt der Vorfall nicht in Ruhe. Aus diesem Grund nutzt er die Zeit, in der er sich selbst erholen soll, für entsprechende Nachforschungen in dem kleinen leider nicht mehr ganz so beschaulichen Küstenort Egirholm.

Schon bald stößt er neben den Mythen um das untergegangene Rungholt und düstere Andeutungen, die damit zusammenhängen, auf merkwürdige Todesfälle in denen Menschen an Land ertrinken, seltsame Aufzeichnungen und eine Mauer des Schweigens, was bestimmte Vorfälle angeht. Schon bald steht er im Mittelpunkt von Intrigen und eines Kampfes hinter den Kulissen, bereits vor vielen Jahren seinen Anfang genommen hat …

Eines muss man Thomas Finn lassen, er erweckt die Kulissen seiner eigenen Heimat gekonnt zum Leben. Die Atmosphäre in „Aquarius“ ist nicht nur stimmig und lebendig – er erweckt auch die Nebenfiguren zum Leben, so dass man sich bildlich vor sich sieht und problemlos das Kopfkino anwerfen kann.

Zunächst gibt es nur wenige phantastische Elemente – in erster Linie die Morde, in denen Opfer ertrinken, obwohl sie nicht einmal in der Nähe des Wassers sind. Auch die Ermittlungen der Kriminalbeamten wirken erst einmal betulich wie in einem regionalen Krimi. Das hat ein Ende, als Jens Ahrens in den Mittelpunkt der Geschichte rückt.

Die Handlung zieht deutlich an, denn der Berufstaucher bekommt es gleich mit skrupellosen Entführern und Ärger zu tun, den er seit seiner Soldatenzeit nicht mehr miterlebt hat. Durch ihn werden auch die Leser immer tiefer in die Mythen und Legenden der Region eingeführt, die ein wichtiger Bestandteil der Handlung sind.

Nach und nach fügen sich die Mosaiksteine zusammen und ergeben am Ende ein interessantes Bild. Allerdings verliert die Geschichte in diesem Teil der Handlung auch an Spannung und Kraft, denn viele Andeutungen führen einfach zu offensichtlich zu den gewünschten Ergebnissen, man weiß trotz aller Gefahren auch, dass die Helden so oder so überleben werden.

Thomas Finn rettet zwar ein wenig durch seinen routinierten Schreibstil – kann aber nicht ganz darüber hinweg täuschen, dass er ab einem bestimmten Punkt nicht mehr zu überraschen vermag. Insgesamt legt man das Buch am Ende aber zufrieden zur Seite, denn das ganze Drumherum – die Gewichtung der Beschreibungen und Dialoge, der Figuren und der Region – stimmte und vermochte ganz gut in das Abenteuer zu entführen.

„Aquarius“ ist ein phantastischer Thriller von Thomas Finn, der gekonnt und routiniert mit Mythen und Sagen der Küste spielt. Zwar kann die Handlung ab einem bestimmten Punkt nicht mehr überraschen, lässt sich aber dennoch flüssig lesen und bietet durch das Ambiente kurzweilige und entspannende Unterhaltung.

Meine Wertung:
3,5 von 5 Seeminen

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