[Rezension] Der Name des Windes (Die Königsmörder-Chronik Erster Tag)

Autor: Patrick Rothfuss
Verlag: Hobbit Presse – Klett Cotta
Reihe: Königsmörder-Chronik
Format: gebunden mit Schutzumschlag, 863 Seiten
Erschienen: 2008
ISBN 13: 978-3-608-93815-9

von: Moritz

Was für eine Schwarte! Ich lese zwar recht viel, aber solche Trümmer jenseits der 800 Seiten kommen mir dann doch nicht allzu oft vor die Flinte. Aber das Teil hier sieht schon mal gefällig aus, und – ich verrate an dieser Stelle nicht zu viel – liest sich auch äußerst gefällig.

Klappentext:
»Vielleicht habt ihr von mir gehört« … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Im Mittelpunkt dieses Leseabenteuers steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen … und ein schüchterner Liebhaber.

Die Story:
Ein junges und talentiertes, aber sozial benachteiligtes Kerlchen wird an einer Magie-Akademie angenommen, findet schnell Freunde und auch Feinde (sowohl unter den Schülern, als auch unter den Profe… sorry … Meistern) baut viel Unsinn, wobei er sich aus schwereren Bestrafungen bis hin zum Ausschluss stets herauswieseln kann, erlebt aufgrund seines Könnens einen raketenhaften Aufstieg und tut sich schwer mit Mädchen.

Kommt euch bekannt vor? Mir auch, aber enben dieser Vergleich würde dem Roman nicht gerecht werden, denn von Sprache und Aufbau ist „Der Name des Windes“ doch deutlich erwachsener und die Internatshandlung und die Interaktion mit Freunden und Feinden steht nicht so explizit im Vordergrund. Vor allem wird hier viel mehr angedeutet. Es gibt nicht einen Bösen, der regelmäßig einmal pro Band auftaucht und besiegt wird, sondern unser Held Kvothe steht vor unzähligen Gefahren und beginnt gemeinsam mit dem Leser die Welt immer weiter zu erforschen und zu verstehen, wobei es immer noch etliche große und kleine Geheimnisse gibt, die er bisher nicht ergründen konnte – allen voran das Geheimnis um die Existenz der Chandrian, einer mysteriösen Gruppe, die eigentlich nur in uralten Geschichten existieren, die aber allem Anschein nach Kvothes Sippe ausgelöscht haben.

Aber ich sollte mit dem Anfang beginnen, denn Rothfuss nimmt sich erstmal knapp 100 Seiten Zeit, um eine Rahmenhandlung um den alten Wirt Kote zu weben, der einem Chronisten seine Geschichte erzählt. Und auch diese Rahmenhandlung hat es in sich und ist nicht so „geradeaus“ wie man zu Beginn denkt. Auch hier wird es in folgenden Bänden noch einiges aufzuklären geben.

Aber zurück zur erzählten Haupthandlung:

Wir erfahren alles über den jungen Kvothe, der behütet in einer Sippe reisender Schauspieler und Artisten aufwächst. Diese werden, als der Junge gerade mal 10 Jahre alt ist, abgeschlachtet und er lässt sich jahrelang am Boden zerstört durch die Bettlerszene von Tarbean treiben, bevor er sich am Arkanum einschreibt.

Die Suche nach den Chandrian, die seiner Meinung nach seine Eltern getötet haben, die aber jeder „normale Mensch“ in das Reich der Mythen und Legenden verbannt, ist die Hauptmotivation von Kvothe – selbst sein kompliziertes „Nicht“-Liebesleben mit Denna hält ihn nicht davon ab, alles stehen und liegen zu lassen und sofort an einen Ort zu eilen, an dem die Chandrian scheinbar eine gesamte Hochzeitsgesellschaft ausgelöscht haben. Passenderweise ist aber auch Denna dort und so machen sich die beiden gemeinsam auf die Spurensuche, setzen zwischendurch kurzerhand einen Drachen unter Drogen und Kvothe gelingt es, ein ganzes Dorf vor dem „Ungetüm“ zu retten. Die Anführungsstriche sind sehr bewusst gesetzt, denn wie bei so vielen Elementen von Rothfuss‘ Fantasywelt ist nicht alles so, wie es die Erwartungen des Lesers voraussetzen, selbst die Drachen, die absoluten Klassiker des Fantasy-Genres sind hier mit einem Twist versehen.

Das Setting:
Wir haben es hier mit einer mittelalterlichen Welt zu tun, in der Magie durchaus ihren Platz hat, aber im alltäglichen Leben eigentlich kaum stattfindet. Insgesamt gibt es zwar von der Stimmung her Lichtblicke, aber die eigentliche Grundstimmung ist doch durchgehend düster und mysteriöse – überall lauern Gefahren, auf die man (sowohl als Romanheld als auch als Leser) nicht gefasst war.

Hauptort der Handlung in diesem ersten Teil der Serie ist das Arkanum, die Magier-Akademie in Imre. Hier etabliert sich der bettelarme Junge als intelligenter Tausendsassa, der mit seinem gewaltigen musikalischen Talent auch außerhalb der Universitätsmauern, in den Kneipen von Imre, Erfolge feiert. Auch Imre mit seinen Kneipen und Pfandleihern ist eine tolle Spielwiese für den Autoren, der hier ein Geheimnis um das nächste weben kann.

Die Charaktere:
Seien wir mal ehrlich – in der erzählten Haupthandlung gibt es nur zwei wichtige Personen, Kvothe und Denna, alle anderen sind mehr oder weniger interessante und wichtige Statisten.

Die beiden, auf die es ankommt, sind aber dafür umso interessanter, Kvothe entwickelt sich im Laufe der Handlung mehrfach vom aufgeweckten Spross einer reisenden Schaustellertruppe über einen desillusionierten Straßenjungen hin zum wagemutigen Akademiemitglied, der

Und Denna wird, indem gezeigt wird, wie schwer sie zu beschreiben ist, ganz hervorragend beschrieben: attraktiv, klug und vor allem eines – geheimnisvoll. Auch am Ende des Romans habe ich nicht die geringste Ahnung was es mit ihr auf sich hat und wie es mit ihr und Kvothe weitergeht. Verdammt – her mit dem nächsten Teil der Reihe!

Naja, ich gebe es zu – ich wüsste doch gerne, was aus dem Arkanisten Ben, der Kvothe während seiner Zeit in seiner Familie gelehrt hat und dem alten Geschichtenerzähler Skarpi, der von der „Inquisition“ geschnappt wird, wurde. Die beiden scheinen mir irgendwie wichtig zu sein, erscheinen aber nach ihren kurzen, aber intensiven Auftritten, nicht mehr.

In der Rahmenhandlung haben wir Kote, den „alten“ Kvothe, der sich scheinbar aufgegeben hat und mittlerweile ein Gasthaus im Nirgendwo betreibt, sowie seinen Lehrling, auf dessen Handlungen man sich auch keinen Reim machen kann und den „Chronisten“ – auch der verbirgt, glaube ich, mehr, als es bisher den Anschein hat. Los! Ich will wissen wie es weitergeht.

Mein Fazit:
Super! Habe mich lange nicht mehr so interessiert durch einen Fantasy-Roman gepflügt. Der Hauptcharakter ist schön hintergründig, die Unterbrechungen durch die Rahmenhandlung sind an den richtigen Stellen,

Man merkt schon an der Länge der drei Abschnitte meiner völlig unzureichenden Besprechung, dass hier (neben Kvothe natürlich) die Handlung der eigentliche Star des Romans ist. Es ist immer etwas los, man erfährt immer etwas Neues und Ungewöhnliches und ist immer gespannt, was denn nun als nächstes geschehen wird.

Meine Wertung:
5 von 5 Punkte für Hufflepuff

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: