[Interview] Tom Daut – Der Gefallene Prophet stellt sich

Ich hatte die Chance an Tom ein paar Fragen zu richten. Lest selbst was er zu antworten hatte.

Viel Spaß!

* * * * * * * *

Hallo Tom,
vielen Dank, dass du die Zeit für dieses Interview gefunden hast. Würdest du dich zuerst einmal vorstellen?
Hallo zusammen. Ich nenne mich Tom Daut, bin 46 Jahre, bezeichne mich seit 2011 als Autor und grase im Gebiet der Fantastik. Meine beiden Romane DIE SINISTRA und DER GEFALLENE PROPHET vermischen Sci-Fi und Fantasy. Wenn es um Kurzgeschichten geht, fühle ich mich aber auch in allen anderen Subgenres wohl. Ich gehe mittlerweile keinem anderen Job außer der Autorenarbeit nach, weil mir Selbstvermarktung und Lesen, welches neben der Schreiberei meine zweite große Leidenschaft ist, einfach keine Zeit mehr übriglassen.
Auch in meiner Freizeit kann ich die Finger nicht von Fantastischem lassen, sei es nun im Kino, bei Büchern oder Blu-rays. Ich verschlinge alles, in dem es auch nur ein bisschen übernatürlich zugeht und das mir gefällt.

Ich habe ja an der RatCon-Lesung von dir teilgenommen und war überrascht, dass trotz parallel laufender Feuershow so viele „Der gefallene Prophet“-Interessierte den Weg in die Lesung gefunden hatten. Wie fandest du die Resonanz?
Das hat mich schlichtweg umgehauen. Vor allem nachdem mir klar wurde, dass ein Großteil des Publikums extra für den GEFALLENEN PROPHETEN auf die RatCon gekommen war. Und dies für eine Lesung, die um 22:00 Uhr stattfand. Dafür möchte ich mich noch mal vor allen Anwesenden ganz tief verneigen. 🙂

Ich muss sagen, ich war überrascht, da kommt ein Typ, baut ein paar Lautsprecher und Laptop auf, stellt Bücher hin, zieht sich Handschuhe an und erzählt was von „Hörspiel-Lesung“. Wie bist du auf diese Idee, diesen Mehrwert gekommen?
Das hat sich irgendwie ganz von selbst ergeben. Als ich damals mit dem Vorgänger des PROPHETEN, dem kostenlosen Internetprojekt DIE SINISTRA, gestartet bin, habe ich mir vorher die Lesungen der Kolleginnen und Kollegen im Umfeld angeschaut. Leider musste ich ganz oft feststellen, dass mich das Medium Lesung in der Form kaum ansprechen konnte (sorry, sorry, sorry). Dem entgegen gab es aber auch positive Beispiele, wie Markus Heitz und meinen großen Inspirator Torsten Low. Torsten hatte mich bei den ersten Fantasy-Tagen in Iserlohn mit seiner Art, eine Lesung zu präsentieren und durchzuführen, regelrecht geflasht.
Damit hatte ich einen Ansatzpunkt, wohin ich mit meinem Vortragsstil wollte. Nach viel, viel Üben und Überprüfen durch Aufnehmen meines Lesens, fasste ich den Mut, meine Stimme dabei zu verstellen. Meine Güte, was kam ich mir beim ersten Versuch bescheuert vor. Meine Freundin fand die Wirkung jedoch ziemlich gut und steuerte obendrein noch ein paar Anregungen zu den „Spezialeffekten“ bei. Die Idee, Roboter mit einer Blechtasse vor dem Mund zu lesen, stammt zum Beispiel von ihr.

Bei deiner Lesung kam auch Musik zum Einsatz. Würdest du dazu bitte etwas mehr sagen?
Da ich beim Schreiben ganz oft in Filmszenen denke und sowieso recht multimedial veranlagt bin, wollte ich von Anfang an musikalische Unterbrechungen während meiner Lesungen haben, die die Stimmung der vorgetragenen Stellen unterstreichen oder weiterspinnen. GEMA-frei und kostenlos sollte das Ganze auch noch sein. Was soll ich sagen? Große Chancen hatte ich mir bei der Internetsuche nicht ausgerechnet.
Umso überraschter war ich, dass ich recht schnell auf die Seite von Kai Hartwig stieß. Kai ist ein Komponist, der aus der Computerspiel-Szene stammt und seine Musik sowohl GEMA-frei als auch gratis anbietet, sofern kein Gewinnstreben hinter der Verwendung steckt. Obendrein klingen viele seiner Stücke wie von Hans Zimmer. Ich hatte den perfekten Soundtrack zu meiner Geschichte gefunden. Und da DIE SINISTRA zunächst ein Non-Profit-Projekt war, konnte ich mir ohne Gewissensbisse nehmen, was ich brauchte.
Nachdem mich meine Zuhörer nach einiger Zeit davon überzeugt hatten, von der SINISTRA eine kostenlose Hörbuchversion ins Netz zu stellen, habe ich mit Kai Kontakt aufgenommen. Ich weiß noch, wie aufgeregt ich war, als ich meine Mail an ihn geschrieben und ihn darüber informiert habe, so von einem Künstler zum anderen, was ich mit seiner Arbeit aufstelle. Geld konnte ich ihm ja leider nicht bieten, nur Werbung. Er war zum Glück nicht nur so begeistert von meinen Ideen, dass er mir erlaubt hat, seine Musik zu verwenden, sondern mir auch noch eine eigene kostenlose Titelmelodie für DIE SINISTRA komponiert hat. Im ersten Moment konnte ich gar nicht glauben, was ich da las. Einer der Momente im Leben, die ich wohl nicht so schnell vergessen werde.
Aber Kai kann nicht nur Brachiales. Auf http://www.hartwigmedia.com kann sich jeder selbst von seiner Bandbreite überzeugen. Und wenn ihr mal ein Stück für die heimische Videoproduktion oder als Untermalung für den Rollenspielabend braucht, werdet ihr dort garantiert fündig.
Ich verbringe vor meinen Lesungen oft Stunden mit Stöbern. Selbst jetzt noch, wo DIE SINISTRA eigentlich beendet ist und DER GEFALLENE PROPHET auf dem Programm steht.

Wo wir schon einmal bei „Der gefallene Prophet“ sind, könntest du ein wenig mehr dazu erzählen, sprich wie bist du auf die Idee gekommen, was hat dich inspiriert usw.?
Leider nein. Diese Frage muss ich in jedem Interview blocken, weil ich sonst die Leser der ANNO-SALVATIO-423-Serie, deren Auftaktroman DER GEFALLENE PROPHET darstellt, schwer spoilern würde. Aber ich kann Andeutungen machen und kurz erläutern, worum es in den Romanen überhaupt geht.
Anfang der 1990er las ich in einem amerikanischen Comic-Magazin über eine BATMAN-Geschichte, bei der der schwarze Rächer in einer von der katholischen Kirche beherrschten Alternativwelt für Gerechtigkeit sorgte. Das Setting hat mich sehr fasziniert. Mitte der Neunziger fiel mir eine in meinen Augen ungewöhnliche Grundkonstellation zwischen zwei Charakteren und einem Hindernis ein, das diese beiden zu überwinden hatten. Da sagte ich: Wenn ich jemals ein Buch verfasse, wäre dies eine Geschichte, die ich gern schreiben würde. Mit dem tatsächlichen Schreiben hatte ich seinerzeit aber noch nichts am Hut. Wenig später musste ich feststellen, dass „meine“ Idee in einem Film verwertet werden sollten. Leider wurde ich von der Umsetzung dann schwer enttäuscht.
Spulen wir vor bis ins Jahr 2008. Ich hatte mit dem Schreiben begonnen und initiiert durch den Wettbewerb „Schreiben Sie einen magischen Bestseller“ vom HEYNE-Verlag wurde mein erster Roman fällig.
Mittlerweile hatten sich der oben erwähnte Hintergrund und die Charakterkonstellation in meinem Kopf vereinigt. Zwei Roman-Ideen schwebten mir vor, wobei ich der mit dem Arbeitstitel GOTTES STADT (das spätere ANNO SALVATIO 423) den Vorzug gab und loslegte.
Zum Glück fand mein Wettbewerbsbeitrag damals keine Beachtung. So hatte ich Zeit, an meiner Schreibe zu arbeiten und so lange Einfälle an das Grundkonstrukt zu kleben, bis es in seiner Gesamtheit so richtig rund werden konnte.
So ist aus der Geschichte um Desmond Sorofraugh, der als übernatürlich begabter Priester in den finsteren Straßencanyons des Gelobten Landes für die Aufrechterhaltung der neuen Zwölf Gebote sorgt, ein fünfbändiger Zyklus erwachsen.
Mein erster Versuch, das Manuskript zu Teil eins an einen Verlag zu bringen, scheiterte. Also fasste ich den Entschluss, mich mit einem E-Book-Projekt an den Torwächtern der Lektorate vorbei ans Publikum zu schleichen. Dazu habe ich mir die Idee von einem Prequel, in dem Soldaten gegen schwarze Magier kämpfen, aus dem Ärmel geschüttelt, sie kostenlos bei facebook zur Verfügung gestellt und auf Cons Lesungen damit abgehalten.

Ich saß ja wie gesagt in einer dieser Lesungen und mir kam so einiges unheimlich aus z. B. den Rollenspielen Shadowrun, Engel, Warhammer 40K bekannt vor. Allerdings erkannte man immer die Eigenständigkeit. Hast Du einen RPG-Hintergrund, oder wieso genau diese Mischung?
Obwohl ich als Konsument von Kindesbeinen an in der Fantastik unterwegs bin und meine Romane recht rollenspielaffin sind, kannte ich bis auf SHADOWRUN keines der von dir angeführten Universen. Das war auch sicherlich besser so. Denn hätte ich von der Existenz von ENGEL oder beispielsweise dem Vorbild zu PRIEST gewusst, hätte ich mich nie an ANNO SALVATIO 423 gewagt. Das wäre mir viel zu ähnlich gewesen.
Meine Rollenspielerzeit ist seit dem Ende der 1980er vorbei. Danach war ich raus aus der Sache und DAS SCHWARZE AUGE blieb das einzige System, welches ich je gespielt habe. SHADOWRUN nahm ich am Rande wahr und fand, dass die Vermischung von Fantasy und SF in der fantastischen Literaturlandschaft nur unzureichend repräsentiert war, obwohl dies im Kino (z. B. STAR WARS) doch hervorragend funktionierte und auch angenommen wurde.
Da ich außerdem schon immer einen Hang zu Finsterästhetik hatte (Gigers ALIEN, BATMAN, THE CROW etc.) und ich darüber hinaus bemerkenswert fand, dass bislang niemand die christliche Mythologie so richtig als das aufgearbeitet hatte, was sie in Wirklichkeit ist, nämlich Fantasy, nahm ich die Mission auf mich, all dies ändern zu wollen. 😉

Wie wird es nach „Der gefallene Prophet“ weitergehen?
Die nächsten acht Jahre werde ich wohl mit der Fertigstellung von ANNO SALVATIO 423 zubringen. Der Plan ist, die vier Folgebände im Zweijahresrhythmus zu veröffentlichen. Es reifen darüber hinaus auch schon Projekte in meiner Gehirnschublade, über die ich jetzt aber noch nichts verraten möchte. Nur so viel: Es wird nichts mehr aus dem Erzähluniversum von DIE SINSITRA/ANNO SALAVTIO sein.

War es eigentlich schwierig für diese Thematik einen Verlag zu finden und wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Wie oben schon angedeutet, wollte zunächst kein Verlag an das Manuskript ran. Als Debütant ein Projekt anzustoßen, das einerseits seitengewaltig ist und sich direkt auf fünf Bände festlegt, ist schon recht schwer unterzubringen. Dann noch nicht mal einen aktuellen Trend zu bedienen und nicht so recht in irgendeine vermarktbare Schublade zu passen, stellt so eine Art Todesstoß dar.
Ich musste zunächst ein Jahr mit DIE SINISTRA durch die Szene tingeln, auf mich aufmerksam machen und ein Publikum generieren. Dann traf ich (nicht ganz zufällig) auf meine jetzige Verlegerin Andrea Wölk. Wir unterhielten uns einen Nachmittag über ANNO SALVATIO 423 und darüber, was ich damit vorhatte. Abends saß Frau Wölk im Publikum meiner Hörbuch-live-Lesung zu DIE SINISTRA und eine Woche später flatterte der erste Buchvertrag in unser Haus.
Keine Agentur, kein Anschreiben, kein Exposé. Also alles jenseits des klassischen Wegs.

Wem diese Thematik nicht so liegt, aber trotzdem etwas von dir konsumieren möchte, wo oder wie findet die- oder derjenige Abhilfe?
Solchen Leuten kann ich dann nur noch meine Kurzgeschichten empfehlen. Da ist von klassischer Fantasy über SF mit Action und sogar Horror und Grusel alles dabei. Im VERLAG TORSTEN LOW bin ich in der KRIEGER-Kurzgeschichtensammlung mit Fantasy vertreten. Dasselbe gilt für das Rollenspiel SEELENFÄNGER und die Anthologie DIE KÖCHE III aus dem UB-Verlag. Im Letzteren habe ich mich sogar mal auf humoristisches Terrain gewagt, weil ich sonst immer schreibe, bis einer heult. 😉

Was planst du so für das nächste halbe Jahr an Projekten?
Die zweite Hälfte von 2014 gehört völlig der Vermarktung von DIE SINISTRA und DER GEFALLENE PROPHET. Nebenbei wird es noch Lesungen zu GESCHICHTEN AUS DEM DRACHENWINKEL (Anthologie aus dem UB-VERLAG) und DUNKLE STUNDEN (Anthologie aus dem VERLAG TORSTEN LOW) geben, in denen ich jeweils mit einer Geschichte vertreten bin. 2015, während ich gaaanz intensiv an ANNO SALVATIO 423 – Teil 2 schreibe, wird ein Kurzgeschichten-Projekt in den Vordergrund treten, das im PAPIERVERZIERER-Verlag erscheint. Der Verlag plant eine ganz spezielle Art von Anthologie und das Konzept verspricht überaus gut auf die RollenspielCons zu passen. Darauf wird nächstes Jahr wohl mein Hauptaugenmerk liegen. Dann bin ich dieses Jahr auch noch von Christian von Aster für eine Kurzgeschichte angefragt worden. Da ich seine Arbeit sehr schätze, freue ich mich auch darauf schon wir verrückt. Es wird also turbulent. Stay tuned. 😉

Vielen Dank für deine Zeit, Tom. Das letzte Wort hast du!
Ich habe dir zu danken für die interessanten Fragen und mache zunächst das, was ich die letzten drei Jahre getan habe: Eigenwerbung. 😉
Wenn deine Leser jetzt Lust bekommen haben, noch mehr über meine Geschichten zu erfahren, könnten diese Links hilfreich sein:
http://www.tomdaut.web.com , meine Website
http://www.facebook.com/Die.Sinistra , mein erster Roman, den es dort auch in einer kostenlosen Hörbuchform gibt.
http://www.facebook.com/annosalvatio , alles über die ANNO-SALVATIO-423-Reihe
Meine Bücher könnt ihr entweder beim OLDIGOR-Verlag (www.oldigor.com ) , bei amazon oder beim lokalen Buchhändler bestellen. Genauso verhält es sich mit den angesprochenen Anthologien.

Ansonsten wünsche ich dir und deinen Lesern viiieel Spaß und Leidenschaft beim Ausleben eures Hobbys. Vielleicht sehen wir uns ja mal auf der ein oder anderen Con persönlich. Stay nerdy!
Daut, out.

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