[Hörbuch-Rezension] Ætherhertz

Autor: Anja Bagus
Verlag: thono audio verlag
Gelesen von: Annette Stall
Medium: 3 MP3 CD’s
Spielzeit: 872 Minuten
Erschienen: 2014
FSK: 12 Jahre
ISBN-10: 3943278387
ISBN-13:
978-3943278385

von: QuackOnaut

Viele scheuen sich, oftmals leider zurecht, Bücher die im Selfpublishing erstellt wurden zu kaufen bzw. zu lesen. Durch einen sehr glücklichen Umstand wurde ich auf diese literarische Perle aufmerksam gemacht, doch bevor ich mein Fazit vorweg nehme widme ich mich erstmal der Geschichte selbst.

Story:
Annabell Rosenherz ist eine junge Frau von 24 Jahren, welche nach dem Tod ihrer Mutter und dem rätselhaften Verschwinden ihres Vaters alleine mit ihrer Haushälterin im Haus ihres Vaters wohnt. Bedingt durch die Gesetze um 1910, kann sie nur sehr eingeschränkt über das Geld ihres Vaters, der im Allgemeinen für Tod gehalten wird, verfügen. Jede einzelne Ausgabe muss mit dem väterlichen Anwalt abgestimmt werden.

Eines Tages kommt dieser mit einem Vorschlag zu Annabell. Sie soll ihren Vater für Tod erklären lassen und zustimmen, dass der gesamte väterliche Besitz in eine Stiftung zu ihren Gunsten überführt wird oder sie muss heiraten. Als sehr selbstständige, unabhängige Person ist es Annabell zu wider sich den Anweisungen anderer zu Beugen. Die Vorstellung sich von einem Mann vorschreiben zu lassen was sie zu tun oder zu lassen hat ist ihr ein Greul. Sie bittet um Bedenkzeit um ihre Entscheidung hinauszuzögern.

Da sie wissenschaftlich interessiert und sehr belesen ist, schafft sie es den jungen Mediziner Hans Zoller der in der pathologischen Klinik arbeitet auf sich aufmerksam zu machen und wird dessen Assistentin. Ihrer natürlichen Neugier entsprechend wird sie argwöhnisch als die Leiche einer jungen Russin, die anscheinend Schwager war, aufgefunden wird. Denn der Ort an dem sie gefunden wurde, passt so gar nicht zu ihrem finanziellen Background und wo ist das Kind abgeblieben. Annabell vermutet das deutlich mehr hinter dem ganzen steckt und beginnt zu ermitteln. Währende ihrer Ermittlungen lernt sie die beiden Söhne ihres Anwalts kennen und verliebt sich in Paul dem älteren der Beiden und auch er entwickelt Gefühle für sie.

Mit dem typischen Vorurteilen gegenüber Frauen und den gesellschaftlichen Zwängen dieser Epoche konfrontiert, erweckt sie die Aufmerksamkeit des Drahtziehers hinter dem Ganzen zumal sie auf der richtigen Spur ist und zu einer Gefahr für dessen Pläne wird. So werden Pläne geschmiedet die für Annabell nicht gutes bedeuten. Als ihr kleines Geheimnis, eine Mutation ihrer linken Hand durch die sie übersinnliche Fähigkeiten besitzt, gelüftet wird, nutzt der Drahtzieher seine Kontakte um Annabell aus dem Weg zu räumen. Sie wird in den Falkenhorst, einer Einrichtung für die Aufbewahrung von „Verdorbenen“, wie die Menschen mit Mutationen genannt werden verbracht. Dort soll sie durch einen Anschlag mit Aether gänzlich zur Mutation gebracht werden um sie für alle Zeiten aus dem Weg zu räumen, doch Paul, der sich als ihr Verlobter ausgibt, sorgt dafür das sie in seine Obhut entlassen wird.Die beiden fahren in den Schwarzwald, was sich als glückliche Entscheidung entpuppt, denn nur so entgeht Annabell einem weiteren Anschlag. Am See erlebt Annabell etwas Merkwürdiges und sie erfährt, was es mit dem Aether auf sich hat und wer ihr Vater in Wirklichkeit und was seine wirkliche Profession war. Nach ihren Erlebnissen am See fasst sie den Entschluss nicht nur den Mord vollends aufzuklären, sondern auch dafür zu sorgen das durch Aether veränderte Menschen durch die Gesellschaft eine andere Behandlung als bisher erfahren.

Setting:
Deutschland, genauer gesagt Baden-Baden um das Jahr 1910. Die Blütezeit der Stadt als Kurort und Anlaufstelle der Prominenz die sich hier ihre großen und kleinen Wehwehchen wegkurieren lassen wollen. Die Stimmung und Atmosphäre werden Farbenfroh in Szene gesetzt. Für einen Steampunk-Roman erfrischend ist die sparsame Verwendung der Steampunk üblichen Maschinerie.
So gibt es zwar durchaus Luftschiffe und dergleichen und auch mechanische Schmuckstücke sind anzutreffen, doch das ganze findet dezente Anwendung wodurch nicht von der eigentlichen Handlung abgelenkt wird und so nicht überladen wirkt.

Charaktere:
Die Charaktere wirken sehr lebensecht und realistisch. Egal ob es die fürsorgliche Haushälterin Frau Barbara, die wissbegierige junge Dame Annabell, der leichte Lebemann Friederich oder Paul der ernsthafte junge Mann mit ehrenwerten Absichten ist. Auch die Bösewichter in dieser Geschichte wissen zu überzeugen, wodurch man recht schnell Sympathie und Antipathie für die einzelnen Protagonisten entwickelt.

Mein Fazit:
Anja Bagus hat mit Aetherherz den Grundstein für eine Romanserie geschaffen, welche den Leser in die Zeit der Industrialisierung und des Pomps der Wirtschaftsbosse versetzt. Sie schafft es sehr gut den Zeitgeist und die Stimmung dieser Zeit einzufangen. So muss die Heldin dieser Geschichte mit den typischen Vorurteilen gegenüber Frauen in dieser Zeit kämpfen. Die detaillierte Beschreibung, die dezenten aber doch präsenten Soundeffekten und die gute Arbeit von Annette Stall als Sprecherin, sorgen dafür dass die einzelnen Szenen im Kopf schnell zum Leben erweckt werden.

Leider sind einige Stellen, die für die eigentliche Handlung nicht sonderlich von Bedeutung sind, etwas zu langatmig beschrieben, was dem Spannungsbogen an der einen oder anderen Stelle leider eher abträglich ist.

Alles in Allem aber eine Grundsolide Arbeit.

Meine Wertung:
4 von 5 Æther-Kanonen.

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