WürfelView 09: Daniel Mayer (Chefredax) zu Savage Worlds

31. März 2009

Am Wochenende (03.04. – 05.04.2009)  ist es wieder soweit, die RPC-Germany wird ihre Pforten öffnen. Diesemal in den Messenhallen in Köln. Dort wird es dann wohl wieder heiss hergehen und dem Rollenspieler werden einige neue Produkte erwarten, u.a. wird Prometheus Games die deutsche Savage Worlds Version im Gepäck haben. Grund genung sich einmal mit Daniel Mayer, dem deutschen Chefredakteur über dieses System zu unterhalten.

Viel Spass!

 

 

Hallo Daniel,

erstmal vielen Dank das Du Dir die Zeit für das WürfelView nimmst, wobei Ihr ja gerade in den letzten Zügen für die RPC steckt.

Daniel Mayer: Kein Problem.

 

Würfelheld: Kannst Du am Anfang erstmal einwenig zu Deiner Person sagen, so dass die Leser wissen mit wem sie es hier zu tun haben?

Daniel Mayer: Ja, gerne. Ich bin gerade noch 27 Jahre alt, und in Rosenheim in Oberbayern geboren (bin aber im Augenblick im Umzug nach Augsburg begriffen). 2008 habe ich meinen Magister der Literaturwissenschaften an der LMU München gemacht. Seitdem verdien ich mir meinen Lebensunterhalt vor allem als freischaffender Übersetzer und werde im Oktober beginnen, meinen Doktor zu machen.

 

Würfelheld: Du bekleidest bei Prometheus Games die Position des Chefredakteurs für Savage Worlds. Wie kam es dazu?

Daniel Mayer: Der Kontakt zu Christian Loewenthal entstand, als David Grashof die Lizenz für Ratten! (an dem ich mitgewirkt hatte) an Prometheus Games übergab. Weil ich das Regelwerk sehr gut kannte bot mir Christian diese Position an, als er dabei war, das Team aufzustellen. Bislang lief das alles sehr rund.

 

Würfelheld: Es ist nun einige Zeit her das Prometheus Games verkündet hat, das sie die deutsche Lizenz für Savage Worlds erworben haben. Kannst Du uns einen Einblick in Deine/Eure Zusammenarbeit mit den Amis geben?

Daniel Mayer: Den Großteil des Kontakts zu den Amerikanern hat als Verlagsleiter Christian übernommen, daher kann ich dazu nicht ganz so viel sagen. Was ich allerdings sagen kann ist, dass die Leute von Pinnacle ausgesprochen freundlich und angenehm im Umgang waren. Sie haben uns viele Freiheiten bei der Ausgestaltung unserer deutschen Ausgabe gelassen, was ja wichtig war, weil wir uns nicht am Umfang der schon sehr schmalen ExEd orientieren wollten. Und soweit ich mitbekommen habe sind sie vom Endergebnis sehr angetan.

 

Würfelheld: Ihr habt nach Bekanntgabe der Lizenzvergabe Euch auch den Feedback und Wissen in den grossen Foren wie „Tanelorn“ und „B!“ bedient. War diese Entscheidung richtig und wieviel Know-how konnte ihr daraus ziehen?

Daniel Mayer: Wenn man sich in die großen Foren wagt, muss man sich schon drauf einstellen, dass einem ein rauer Wind ins Gesicht schlägt und die Diskussionen mitunter sehr leidenschaftlich werden. Aber lohnen tut es sich dann doch immer. Zwar waren unsere Nachfragen nach Übersetzungsmöglichkeiten nicht ganz so effektiv wie erhofft, aber wir haben einige interessante Informationen über die grundsätzliche Erwartungshaltung für so eine Übersetzung bekommen. Wir hoffen, dass wir sie auch entsprechend umgesetzt haben.

 

Würfelheld: Kannst Du einwenig mehr zu Savage Worlds im allgemeinen sagen bzw warum sollte man Savage Worlds spielen?

Daniel Mayer: Savage Worlds war für mich auf viele Arten ein Augenöffner. Ich habe viele Systeme gespielt, bei denen viele verschiedene Dinge sehr viel Zeit erfordert haben. Gerade Kämpfe sind da so eine Sache. Wenn ich eine ganze Spielsitzung für einen Kampf mit sieben Beteiligten aufbringen muss, dann schluckt mir das einfach zu viel Zeit. Bei Savage Worlds kann ich riesige Gruppen von Gegnern auffahren, und es dauert immer noch weniger lange. Ich spare mir ne Menge Vorbereitungszeit (und Zeit hat man doch immer am wenigsten), kann die Regeln mit minimalen Anpassungen für eine weite Spanne von Settings verwenden, und ich finde den Großteil der für Savage Worlds verfügbaren Settings einfach hoch spannend. Im Internet findet man zusätzlich noch zahllose (zum Teil ausgezeichnete) Fan-Conversions bekannter Settings und Systeme. Mit anderen Worten: Wir alle sind begeistert von Savage Worlds, und ich hoffe, dass diese Begeisterung unserem Produkt auch anzumerken ist.

 

Würfelheld: Verrat uns doch mal was zu dem deutschen Savage Worlds (Aufmachung, Preis, Seitenanzahl, usw.)?

Daniel Mayer: Die Gentleman’s Edition wird ein schnuckeliges Hardcover werden, ein bisschen größer als DIN A5 und 272 Seiten dick. Wir haben im Vergleich zur Explorer’s Edition noch jede Menge Material reingepackt, und das ganze mit schicken neuen Illustrationen versehen. Kosten wird das gute Stück 24,95.

 

Würfelheld: Die Veröffentlichung findet zur RPC 2009 in Köln statt?

Daniel Mayer: Ja, ganz genau. Wer vorbeischauen mag: Unsere Standnummer ist B25.

 

Würfelheld: Wird es für die Messebesucher ein Special oder Goodie geben?

Daniel Mayer: Klaro! In der Games Orbit wird es eine Demo und ein Poster zu Sundered Skies geben. Natürlich haben wir auch unsere offiziellen Bennies im Gepäck, sowie Buttons und eine praktische Kombination aus Player-Mat und Combat Survival Guide.

 

Würfelheld: Was erwartet uns 2009 noch an Publikationen zu Savage Worlds aus Eurem Hause?

Daniel Mayer: In möglichst schneller Folge nach der RPC werden zwei Settings veröffentlicht, die Übersetzungen zu Necropolis 2350 und Sundered Skies. Andere Sachen sind in Planung.

 

Würfelheld: Wird es in Zukunft Onlinematerial und Support geben?

Daniel Mayer: Das haben wir vor. Natürlich wird es One-Sheet geben und sicherlich noch anderes Zeug. Nicht zuletzt möchte ich hierbei auch auf die Internetseite www.savageheroes.de verweisen, auf der hoffentlich schon bald nach Erscheinen der deutschen Ausgabe die ersten Fan-Conversions erscheinen werden!

 

Würfelheld: Zu guter letzt hat es sich so eingebürgert das es am Ende fünf schnelle Fragen gibt, die ich bitte genauso schnell und knapp zu beantworten.

Daniel Mayer: Aber klar.

 

Würfelheld: Derzeitiger Lieblingsfilm?

Daniel Mayer: Blood Dolls.

 

Würfelheld: Rollenspiel ist für mich?

Daniel Mayer: Eine verdammt geile Art, meinen Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Würfelheld: Deine Ziel für 2009 ?

Daniel Mayer: Savage Words gut an den Start bringen, einige Conversions schreiben, mit meinem Doktor beginnen.

 

Würfelheld: Lieblingsgetränk?

Daniel Mayer: Gelber Tee von Pfanner.

 

Würfelheld: Auf eine einsame Insel nimmst Du was mit?

Daniel Mayer: Genug Leute, dass es nicht mehr einsam ist und wir eine Parallelzivilisation aufbauen können.

 

Würfelheld: So damit bleibt mir nur noch Dank zu sagen und Dir das letzte Wort zu überlassen.

Daniel Mayer: Ich bedanke mich. Letzte Worte? So was in der Art von „Kauft Savage Worlds!“? Ach, ne. ;-)


WürfelView 08: Fanzines…Fanzines…Greifenklaue

15. Februar 2009

Vielen von Euch dürfte mein diesmaliger Gesprächspartner ein Begriff sein, treibt er sich doch in vielen bekannten Foren rum, schreibt bei einigen Projekten mit und mittlerweile Bloggt er auch.

Also viel Spaß bei WürfelView mit Greifenklaue.

 

Hallo Ingo,

herzlichen Dank das Du Dir die Zeit für das WürfelView nimmst und mir so ein wenig Rede und Antwort stehst.

Ingo Schulze: Ich freu mich drauf!

Würfelheld: Vielen Leuten dürftest Du unter dem Nick „Greifenklaue“ ein Begriff sein. Könntest Du einwenig mehr zu Deiner Person sagen?

Ingo Schulze: Ich bin im vorletzten Jahr 30 geworden, Ingenieur der Elektrotechnik / Nachrichtentechnik und aktuell als Lehrkraft im Studienkreis engagiert. Im Rollenspielbereich stecke ich hinter dem Zine Greifenklaue – daher der Nickname, schreibe für die Library of roleplay – wo wir Dich ja vor kurzem in unserer Runde begrüßen durften, schreibe auch hier und dort mal und zuguterletzt darf ich ein wenig bei Pathfinder helfen.

Würfelheld: Es gibt ja das Rollenspielmagazin „Greifenklaue“. Welches Ziel verfolgst Du mit dem Magazin?

Ingo Schulze: Erstmal der Schocker vorweg: Die Greifenklaue ist ein Fanzine und bekennt sich dazu auf allen Ebenen. Großartige Ziele verfolge ich nicht mit dem Heft, muss ich zugeben. Ich bin absoluter Fanzinefan und dürfte mittlerweile das Fanzine-Archiv schlagen können. Als kleiner Junge habe ich es immer geliebt, in die größere Nachbarstadt (Braunschweig) zu fahren und in die Rollenspielläden zu gehen und im Sortiment zu schmöckern. Hit war immer Der letzte Held, wenn es da was neues gab, hab ich das immer mitgenommen. Über den Aventurischen Boten habe ich über die dortigen Kleinanzeigen weitere Zines gefunden und eigentlich immer wieder von dem Material begeistert. Irgendwann wollte ich dann ein eigenes Fanzine starten, der zweite Versuch klappte – sonst hätte ich wohl Der Schwertmeister geheißen… – und hatte bereits am Anfang enormen Zuspruch. Mir macht es Spaß mit anderen projektorientiert zu arbeiten, mir macht auch das Verkaufen Freude – ein nicht zu unterschätzender Faktor bei Zines – und so ist das Schreiben eines Zines neben viel Mühsal eigentlich ein großes Vergnügen. Insgesamt gehöre ich zu denen, die sich denken „Artenvielfalt ist Lebensqualität“ und dazu gehört eben, dass es neben modernen Blogs, Portalseiten, pdf-Downloads, Foren, eZines eben auch Papierfanzines, Newsletter und den guten alten Briefaustausch geben sollte.

Würfelheld: „Greifenklaue“ hat es ja bereits auf sechs Ausgaben geschafft. Kannst Du uns ein wenig mehr über die bald erscheinende siebte Ausgabe verraten?

Ingo Schulze: Selbstverständlich. Präsentiert wird sie zur RPC, am gemeinsamen Oldschoolstand mit Moritz Mehlem / Labyrinth Lord. Zum Wahnsinnspreis von 3 Euro. Der Schwerpunkt wird Endzeit sein. Eben jener Moritz hat zu Mutant Future ein Setting und ein Abenteuer beigesteuert, Christoph Schubert vom Artefakt ein Cthulhu-Endzeit-Abenteuer, außerdem haben wir noch einen ganz interessanten Stadthintergrund, nämlich eine Avarielstadt, am Start. Kurzum, eine hoffentlich nette Mischung.

Würfelheld: Kannst Du Dir vorstellen das es das Magazin in Zukunft öfters geben wird, oder wird der eingeschlagene Tonus beibehalten?

Ingo Schulze: Na, öfter werden wir wohl nicht erscheinen – regelmäßige Versorgung bieten ja sowohl Artefakt wie Abenteuerpunkt. Das wäre einfach unrealistisch. Es gibt z.B. für Rezensionen, News oder Interviews mittlerweile bessere und schnellere Formate und dies sind eigentlich die drei Artikelarten, die mir besonders liegen. Aber ab und an ist Zeit für ein Zine – und dann setzt ich mich auch mit viel Enthusiasmus hin.

Würfelheld: Gibt es ein spezielles Thema was Dir unter den Nägeln brennt, welches Du in Zukunft als Titelthema für die Greifenklaue verwenden möchtest?

Ingo Schulze: Jain. Konkret noch nix – ich muss ja nicht nur selbst davon begeistert sein, auch der „innere Zirkel“ muss davon zumindest in Teilen begeistert sein. Dungeons, Oldschool, Pathfinder, Privatdetektive, Western, Crime Scene – das schwirrt mir so im Kopf rum. Letztlich ist das theoretische Konzept hinter dem Heft ein Drittel zum Schwerpunkt, ein Drittel Spielbares, ein Drittel Sonstiges. Es ist also immer Platz für Euren Artikel!

Würefelheld: Du vertreibst ja auch über Deinen Shop (www.greifenklaue.de/shop) etliches an RPG Fanzines. Wie kam es dazu?

Ingo Schulze: Gute Frage. Als ich mit der Greifenklaue begann, gab es immer Austauschabos, sprich: Du schickst mir Dein Heft, ich Dir meins. Irgendwann brachte ich den Vorschlag – damals war das Kommunikationsmedium die Fanzinerrundmailliste der Argentinum Astrum, statt ein Exi zu tauschen, jeweils ein kleines Kontingent zu tauschen. Das haben einige aufgegriffen und da ich die auch immer losgeworden bin, habe ich später dann auch zugesagt, selbst immer 5 oder 10 Exemplare anzubieten. Mit der eigenen Homepage gab es dann auch einen bescheidenen virtuellen Shop, leider hab ich aktuell keinen eigenen Zugriff darauf, so dass es nicht ganz aktuell ist. Das wird hoffentlich demnächst endgültig behoben sein.

Würfelheld: Mittlerweile bloggst du ja auch (http://greifenklaue.wordpress.com). Welches Ziel verfolgst Du mit Deinem Blog?

Ingo Schulze: Ich bin da ganz naiv – quasi ziellos – gestartet, weil ich www.rsp-blogs.de für ein hochspannendes Projekt hielt und Dein Blog kam als letztes Tröpflein hinzu – frei nach dem Motto, wenn der Würfelheld das kann, dann krieg ich das bestimmt auch hin. Und tatsächlich, technisch ist das ja echt einfach. Mittlerweile macht das Bloggen viel Spaß und ich versuche, News, Rezis und Berichte unter die Leute zu bringen, ein bißchen von der Greifenklaue und Pathfinder. Dazu stolpere ich in diversen Foren über hochspannende Gedanken, wo es sozusagen journalistische Pflicht ist, diese zu vernetzen und anderen Lesern, die es interessiert, bekannt zu machen. Dazu ist das unmittelbare Feedback u.a. durch Kommentare und Verlinkungen immer ein Motivator.

Würfelheld: Wie ich aus eigener Erfahrung mitteilen kann, bist Du auch im Bereich der Rezensionen sehr stark engagiert und so konnte ich mir auch schon das ein oder andere Bild machen und muß sagen das Deine Einschätzung immer zutreffend waren. Wie kam es dazu, das Du dieses Feld betreten hast?

Ingo Schulze: Erstmal vielen Dank für die Blumen. Zu Beginn meiner Fanzinerzeit bin ich beim Rezizine Sphinx reingerutscht, welches ein Fanzinergemeinschaftprojekt war. Als dort die letzte Ausgabe erschien, gab es das Angebot der Library of roleplay, dort mitzuarbeiten. Das mache ich mit stetem Engagement seit 2001.

Würfelheld: So, mittlerweile hat sich das ja so eingebürgert, das ich zum Ende hin, ein paar kurze Fragen stelle und um schnelle knappe Antworten bitte, damit man ein wenig mehr erfahren kann.

Ingo Schulze: Ist ja Dein Interview :D

Würfelheld: Lieblingsfilm?

Ingo Schulze: Schwierig. Herr der Ringe im Mainstream. REC bei den etwas unbekannteren Streifen.

Würfelheld: Familie ist…?

Ingo Schulze: Vorhanden.

Würfelheld: Wenn ich entspanne will, tue/mache ich?

Ingo Schulze: Ideal ist Schwarzer Tee plus Hörspiele plus Papiermodellbau.

Würfelheld: No-Go TV Sendung?

Ingo Schulze: Hmm. BigBrother, Dschungelcamp, DSDS und Konsorten.

Würfelheld: Was nimmst Du auf eine einsame Insel mit?

Ingo Schulze: Würfel, Zufallsgenerator, ein paar Rollobücher und genug Leute zum Zocken – sonst Solos.

Würfelheld: Damit hast Du es auch schon geschafft. Ich sage recht herzlichen Dank für Deine Zeit und überlasse Dir das Feld für die letzten Worte.

Ingo Schulze: Ich darf hier sagen, was ich möchte? Ohne Frage? Leute, schaut mal in ein Fanzine rein – vielleicht ja auf der RPC an unserem Stand! Nice dice und Dank Dir, Andre!

 

 


WV07: Boris Koch über Hauszombies, Hinterzimmer & 2009

30. Januar 2009

Für die siebte Ausgabe der WürfelView-Serie stand mit Boris Koch Rede und Antwort.

Aber lest selbst.

Viel Spaß!

 

 

Hallo Boris,

zuerst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das WürfelView genommen hast.

Boris Koch: Bitte, gern geschehen.

Würfelheld: Ich hab das erstemal von Dir Kenntnis genommen, als Du auf der RatCon eine Lesung aus Deinem Werk „Der Schattenlehrling“ gehalten hast. Wie kam es zu diesem Roman?

Boris Koch: So ganz genau weiß man als Autor ja nicht, was alles in einem Verlag besprochen wird, wie viele Leute letztlich wie und was entscheiden. Mit mir zuerst gesprochen hat Catherine Beck, die die Shadowrun-Romane redaktionell betreut. Sie hat mich aufgrund meiner Kurzgeschichten gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einen Roman für die Reihe zu schreiben. Ich hatte. Und hatte eine Idee und früher auch Shadowrun gespielt und in München gelebt, wo die Geschichte spielen sollte, es passte also alles perfekt. Ich habe ein Exposé gebastelt, dass dann bei Fanpro von Catherine Beck und der Shadowrun-Redaktion angeschaut und schließlich abgesegnet wurde.

Würfelheld: Wenn man auf Deine Homepage schaut, www.boriskoch.de , erfährt man, dass „Der Drachenflüsterer“ erschienen ist. Kannst Du ein wenig zu dem Buch sagen?

Boris Koch: „Der Drachenflüsterer“ ist ein Fantasyroman, dem man das schöne neue Etikett „AllAge“ verpassen kann; also ein Roman für Jugendliche, der auch für Erwachsene geeignet ist. Es geht um den fünfzehnjährigen Ben, ein rotznasiger Außenseiter im abgelegenen Städtchen Trollfurt, der unbedingt Drachenritter werden will, letztlich sein – nennen wir es mal – „Bewerbungsgespräch“ bei einem Drachenritter aber gründlich in den Sand setzt. Es geht um flügellose Drachen, Freiheit, die (geistige) Enge im Städtchen Trollfurt, Freundschaft, erste Liebe und jugendliche Rebellion gegen die Erwachsenenwelt. Ein Roman, in dem ich meine Begeisterung für klassische Abenteuergeschichten und Drachen, bzw. Saurier ausgetobt habe.

Würfelheld: Du hast mit „Feuer im Blut“ einen Jugendkrimi veröffentlicht und nun mit „300 kByte Angst“ einen zweiten hinterhergeschickt. Worum geht es in den beiden Jugendkrimis und werden weitere folgen?

Boris Koch: In beiden Romanen sind drei Jungs die Hauptfiguren, die ein Schülermagazin herausgeben, das sie verbotenerweise nachts in ihrer Schule aufhängen. Da sie das in „Feuer im Blut“ in der Nacht machen, in der in ihrer Schulturnhalle Feuer gelegt wird, werden nun sie der Tat verdächtigt (bzw. die anonymen Redakteure des Magazins) und führen selbst Nachforschungen durch, um sich zu entlasten. Über die Brandstiftung stoßen sie schließlich auf eine ganz andere Geschichte.

In „300 kByte Angst“ findet einer der drei Jungs einen „Happy-Slapping“-Film von einer Vergewaltigung auf seinem Handy und weiß nicht, woher er ihn hat. Das vergewaltigte Mädchen hat er aber schon einmal gesehen, und zwar auf dem Konzert seiner Band The Doe Family. Der Roman lotet das Thema Gewalt aus; während die Jungs nach dem Mädchen und den Filmemachern suchen, entwickelt Sandro, der Jüngste der drei, eine Faszination für Happy Slapping. Nicht für Vergewaltigungen, aber für Filmchen, die er für harmloser hält, weil nur jemand geschubst wird oder so …

In beiden Büchern geht es neben dem Kriminalfall aber auch stark um das Jungsein, das normale Leben von Jugendlichen.

Würfelheld: Du hast für „Feuer im Blut“ den Hansjörg-Martin-Preis erhalten. Kannst Du uns sagen, worum es sich bei dem Preis dreht und wie das Los auf Dein Werk fiel?

Boris Koch: Der Hansjörg-Martin-Preis wird jedes Jahr vom Syndikat (Autorenvereinigung deutschsprachiger Krimiautoren) für den besten Kinder- und Jugendkrimi des Jahres vergeben. Entschieden wird von einer Jury, die aus fünf erwachsenen Krimiautoren und vier Jugendlichen besteht und sich erst für eine Liste mit fünf nominierten Titeln entscheidet. Der Sieger wird dann auf einer Gala a la Oscar-Verleihung bekannt gegeben, der Preisträger weiß also vorher nicht, dass er der Glückliche ist. Ich weiß jetzt auch nur noch, dass ich so überrascht und bedeppert war, dass ich mich nicht mehr an Laudatio und so erinnere …

Würfelheld: Was bedeutet Dir diese Auszeichnung und was hältst du im allgemeinen davon?

Boris Koch: Die Auszeichnung hat mich natürlich sehr gefreut, das ist ja eine große Wertschätzung des Romans. Es war mein Krimidebüt, und dotiert war der Preis auch noch :-) . Ich schlafe jetzt nicht mit der Urkunde unter dem Kopfkissen, aber es ist toll …

Natürlich heißt das jetzt nicht, es wäre tatsächlich der beste Jugendkrimi des Jahres gewesen, dafür ist Literatur und ihre Rezeption viel zu subjektiv, es gibt keinen objektiv „besten“ und somit sind alle Auszeichnungen und Preise subjektiv. Es gibt in der Kunst einfach keinen Maßstab, um den besten des Jahres festzulegen, weder allgemein, noch in irgendeinem Genre, aber das macht literarische Preise doch faszinierend: Man kann prima darüber streiten :-)

Würfelheld: Du bist ja auch des öfteren auf Lesetour, u.a. entstand daraus ja auch das Werk „StirnhirnhinterZimmer“. Wie wichtig sind Dir diese Lesungen und der damit verbundene Kontakt zu Deinen Lesern?

Boris Koch: Lesungen sind mir sehr wichtig, es macht einfach Spaß, die direkte Resonanz des Publikums zu spüren, da bekommt man sehr unmittelbar mit, wie eine Geschichte oder Passage funktioniert. Und die kurzen Gespräche mit den Lesern danach sind meist auch sehr charmant. Ist einfach gut, raus zu kommen.

Das „StirnhirnhinterZimmer“ nun ist aber kein Werk von mir allein, sondern von drei gleichberechtigten Autoren: Markolf Hoffmann, Christian von Aster und eben mir. Wir schreiben für diese monatlich stattfindende Lesebühne eigens phantastische Texte, meist Grotesken, und tragen diese dann in der Berliner Z-Bar vor. Also meist in der Z-Bar, wir waren auch schon zweimal „auf Reisen“ und werden auch dieses Jahr wohl wieder irgendwo Gast sein.

Und eine Auswahl der Stirnhirn-Geschichten ist inzwischen in dem von dir angesprochenen Buch erschienen.

Würfelheld: Die Mehrzahl Deiner Werke sind Kurzgeschichten. Was verbindest Du mit diesen?

Boris Koch: Mit jeder etwas anderes … Und die Romane werden langsam auch mehr :-)

Würfelheld: Es gibt zu Deinen Werken ja nicht nur positives Feedback. Wie gehst Du mit Kritikern und deren Meinung um und in wie weit fließt die Meinung bzw das Feedback Deiner Leser in zukünftige Werke ein?

Boris Koch: Charmant, mich daran zu erinnern :-) Nein, im Ernst, natürlich wäre es toll, wenn alle Leute meine Bücher lieben würden, wenn ich damit alle Leser glücklich machen könnte, aber das geht nicht. Das muss man sich als Autor auch immer bewusst machen und so vernichtende Kritik und auch Jubelarien relativieren. Ich schreibe also keine wütenden Briefe an Kritiker, die mich schlecht besprochen haben, verbrenne auch nicht ihre Rezensionen (ist bei Internetveröffentlichungen eh schwer, der Monitor stinkt so, während er vor sich hinkokelt …) und schicke ihnen auch keine Schläger nach Hause :-) Unterschiedliche Meinungen und Geschmäcker sind wichtig.

Was die Kritiken anbelangt, so lese ich möglichst nur ein paar von ihnen. Rezensionen richten sich ja nicht an den Autor, sondern an die Leser; sie ordnen das Buch zwischen all den anderen Neuerscheinungen ein. Ich lese lieber Rezensionen von mir unbekannten Büchern, um zu erfahren, ob diese etwas für mich sind, um mich zu informieren, was für Bücher gerade erscheinen, usw. Über meine Bücher muss ich nichts lesen, die kenne ich ja und will sie weder kaufen noch überlege ich, sie zu lesen :-)

Inwieweit das Feedback meiner Leser in weitere Werke einfließt, ist schwer zu sagen, aber sicherlich irgendwie, so wie alles mich beeinflusst, was ich wahrnehme. Nur ist das Feedback ja selten einheitlich, der eine Leser mag diese Figur, der andere jene, der eine mag den Anfang, der andere den Schluss, der nächste weder noch, dem einen ist das Buch zu brav, dem anderen kommen zu viele Kraftausdrücke vor, der eine findet das eine Buch zu grausam, der andere das andere zu albern, zu dünn oder zu wenig stimmungsvoll. Das ließe sich gar nicht alles berücksichtigen, ich muss einfach so schreiben, wie ich es für das jeweilige Projekt für richtig halte, wie ich glaube, dass das Buch am besten wird. Direkte Unterstützung zu dem aktuellen Projekt erhalte ich ja im Lektorat. Wie gesagt, Literatur ist subjektiv, kein Buch kann jedem gefallen, und wenn ein Autor versucht, es jedem recht zu machen, jedem Feedback nachgeht, kommt nichts Vernünftiges dabei raus.

Wichtig ist das Feedback dann, wenn es mir zeigt, dass ich meine Intention nicht erreicht habe. Wenn ich eine düstere Splatterstory schreibe und das Feedback ist: „widerlich“, „eklig“, „mir echt zu krass“, dann habe ich schreiberisch ja alles richtig gemacht, nur das Buch hat die falschen Leser gefunden. Wenn zu derselben Story das Feedback lautet „herrlich albern“, „wunderbar aufbauender Schluss“ und „tolle hoffnungsvolle Liebesgeschichte, ich werde sie meiner zwölfjährigen Tochter vorlesen“, dann ist das zwar sehr viel positiver, aber es sagt mir, ich habe als Autor versagt. Dann muss ich mir Gedanken machen, ob ich nicht etwas anderes unter „düster“ und „Splatter“ verstehe als der Rest der Welt.

Würfelheld: Wer fleißig die Mephisto liest, wird sich dran erinnern, das Du Deine Wohnung mit Ewald teilst. Wie kam es zu dieser WG und was können wir da noch erwarten?

Boris Koch: Ja, mein Hauszombie Ewald … Irgendwann war er einfach da, und ich konnte ihn nicht vor die Türe setzen, auch wenn es manchmal nicht einfach ist mit ihm. Es ist also keine geplante WG gewesen, der Bursche hat mich überrascht und wollte nicht mehr gehen. Langsam habe ich mich aber trotz allem an ihn gewöhnt.

Was wir noch erwarten können, das frage ich mich selbst dauernd und hoffe, es wird nicht allzu schlimm, was der gute Ewald uns einbrockt. Aber er ist ja im Grunde ein herzensguter …

Würfelheld: Wird es zum Hauszombie auch mal ein Buchprojekt geben oder bleibt es der Mephisto vorbehalten?

Boris Koch: Das hängt wohl davon ab, was wir noch so alles erleben werden … Geplant ist momentan noch kein Buchprojekt, sondern nur weitere „Wortmetzeleien“, aber wie heißt es so schön: Man sollte nie nie sagen. Gerade wenn man mit einem unberechenbaren Hauszombie zu tun hat …

Würfelheld: Kannst Du uns einen Einblick in zukünftige Projekte gewähren? Was ist für 2009 geplant?

Bors Koch: Gern. Zumindest so weit ich selbst einen Überblick habe :-)

Zunächst erscheint zur Leipziger Buchmesse im März die Anthologie „Gothic – dark stories“, die ich herausgebe. Enthalten sind achtzehn dunkle Erzählungen für Jugendliche ab 12; Altersgrenze nach oben offen. Von mir selbst ist keine Story enthalten, zu den Autoren gehören Tobias O. Meißner, Markus Heitz, Markolf Hoffmann, Christoph Hardebusch, Maike Hallmann, Christopher Kloeble, Jörg Kleudgen, Kathleen Weise und andere.

Mit Kathleen Weise habe ich über die letzten Jahre auch an einem gemeinsamen All-Age-Roman gearbeitet, der den Titel „Der Königsschlüssel“ trägt und als Juni-Titel etwa Mitte Mai in den Läden stehen wird. Der Roman spielt in einem Land, das seit Jahrhunderten von einem mechanischen König regiert wird, der einmal im Jahr mit viel Pomp und Zeremonie aufgezogen wird. Nun stürzt bei dieser Zeremonie ein gigantischer Vogel vom Himmel und stiehlt den Schlüssel, mit dem der König wieder in Gang gesetzt wird, und das Land steht plötzlich ohne Herrscher da. Verantwortlich gemacht wird der Königsmechaniker, und um seine Hinrichtung zu verhindern macht sich seine Tochter auf den Weg, den gestohlenen Schlüssel zurück zu bringen.

Im Herbst folgt dann mit „Gebissen“ ein Mysteryroman für Erwachsene (oder ältere Jugendliche …), der im heutigen Berlin spielt.

Würfelheld: So dann kommen wir noch zu den fünf „Splashes“, sprich fünf kurze Fragen zu denen Du bitte kurz und knackig antwortest. So dass die Leser ein wenig mehr zur Person Boris Koch erfahren.

Boris Koch: Alles klar, fang an.

Würfelheld: Deine Lieblingskurzgeschichte ist?

Boris Koch: Ich weiß nicht, ob 30 Seiten Umfang noch eine Kurzgeschichte sind, aber ich sag mal „In der Strafkolonie“ von Franz Kafka.

Wüfelheld: Familie ist für Dich?

Boris Koch: Genau das, meine Familie.

Würfelheld: zu Hause ist?

Boris Koch: Bei mir daheim, bei meinen Eltern und bei meiner Freundin.

Würfelheld: Welche Vorsätze nimmst Du Dir für 2009 vor?

Boris Koch: Das tu ich auf keinen Fall öffentlich :-)

Würfelheld: Dein absolutes „no-go“ Buch?

Boris Koch: Sorry, aber das ist meine „no-go“-Frage.

Würfelheld: Vielen Dank für das WürfelView. Ich hoffe es hat Dir Spaß gemacht. Somit überlasse ich Dir das letzte Wort.

Boris Koch: Das ist einfach, das letzte Wort ist immer: Danke.

 

***   ***   ***   ***   ***   ***   ***   ***


WuerfelView 06: Tigger beleuchtet den Schatten

12. Januar 2009

Tobias „Tigger“ Hamelmann der Shadowrun Redax-Cheffe bei Pegasus nahm sich die Zeit und zeigt uns wie die Schatten in Zukunft über der ADL aussehen werden.

Also Freunde, nicht lange fackeln und lesen!

shadowrun-logo

 

Hallo Tobias,

rechtherzlichen Dank das Du die Zeit gefunden hast, Dich dem WürfelView zu stellen.

Tobias Hamelmann: Aber sehr gerne doch.

 

Würfelheld: Könntest Du am Anfang bitte etwas mehr zu Deiner Person erzählen, so dass alle wissen mit wem Sie es hier zu tun haben?

Tobias Hamelmann: Mein Name ist Tobias Hamelmann. Ich bin freier Redakteur und arbeite unter anderem für GEO in Hamburg. Eigentlich habe ich Chemie studiert und auch kurz in der Forschung gearbeitet, aber irgendwie hat es mich dann doch in Richtung Redaktionsarbeit verschlagen. Seit 1986 spiele ich leidenschaftlich gerne Rollenspiele – irgendwann hatte ich dann auch Kontakte zu ein paar Rollenspielredaktionen. Zuerst DSA und Shadowrun. Das hat sich nach und nach etabliert und letztlich bin ich nun seit Sommer 2008 Chefredakteur für das deutsche Shadowrun unter der Flagge des Pegasus-Verlages.

 

Würfelheld: Wie kam es zum Pseudonym „Tigger“?

Tobias Hamelmann: Das kommt noch aus dem alten FanPro-Chat. Damals hatten sie einen Chatraum für Rollenspielinteressierte. Als ich mich dort anmeldete, brauchte ich einen Nickname und habe mich für Tigger entschieden, weil ich den schon immer sehr gerne mochte. Über den Chat haben mich dann ein paar jetzige Freunde kennen gelernt und mich immer mit meinem Chatnamen angesprochen. Andere Freunde haben das dann übernommen – und mittlerweile nennt mich fast jeder Tigger. Angeblich habe ich auch etwas von der Figur. Oder umgekehrt.

 

Würfelheld: Du bekleidest bei Pegasus für den Bereich Shadowrun die Position des Chefredakteurs. Wie kam es dazu?

Tobias Hamelmann: Wie ich schon sagte war ich immer schon von Rollenspielen begeistert, seit ich das erste Mal eines spielte. Irgendwann vor ein paar Jahren, als ich schon privat ziemlich aktiv war und an eigenen Sachen bastelte, habe ich auf einer Spielemesse Crazy, den damaligen SR-Chef bei FanPro, getroffen. Wir verstanden uns ziemlich gut; Lars Blumenstein und ich wurden für das Deutschland in den Schatten II angeworben, und daraus entwickelte sich dann eine rege SR-Tätigkeit. Als dann die Lizenz neu vergeben wurde, war ich schon freiberuflich und habe andere Sachen für Pegasus gemacht (zum Beispiel für Cthulhu). Im Verlag wusste man, dass ich bei FanPro viel für SR gemacht hatte, und so wurde ich gefragt, ob ich den Posten des neuen SR-Chefredakteurs haben möchte. Und ich habe mich gefreut und ja gesagt.

 

Würfelheld: Welchen Einfluß hattest Du, das die deutsche Shadowrun Lizenz an Pegasus vergeben worden ist?

Tobias Hamelmann: Eigentlich gar keinen. Tatsächlich waren auch andere Verlage, die im Rennen waren, mit mir in Kontakt. Was aber nicht wundert – sooo groß ist die Personenschar, die für Shadowrun aktiv war und den Posten hätte bekleiden können und wollen, nicht. An der Vergabeentscheidung von Catalyst war ich aber überhaupt nicht beteiligt – da habe ich mich sogar ziemlich rausgehalten, obwohl Catalyst vorher mal bei mir angerufen hatte.

 

Würfelheld: Auf der diesjährigen RatCon in Dortmund (bei YouTube zu sehen) gab es ja den ersten offiziellen Shadowrun Workshop unter der Leitung von Pegasus bzw Deiner Person, den ich auch LIVE miterlebt habe. In diesem wurden ja einige Projekte die Pegasus in Angriff nehmen wollte/möchte bekanntgegeben. Was habt Ihr davon bereits geschafft und was wartet da noch auf uns?

Tobias Hamelmann: Als erstes wartet immer noch der Novapuls – der Inplay-Newsflash – darauf, dass er endlich hochgefahren wird. Der liegt mir arg im Magen, weil er von mir bisher leider sehr stiefmütterlich behandelt wurde. Ich hatte immer andere, wichtigere Baustellen, an denen ich arbeiten musste. Aber er steht (immer noch) ganz oben auf meiner Liste. Tatsächlich fehlen auch nur mal zwei ruhige Tage für das Layout (was gar nicht so aufwendig werden soll) und zum Durchlesen der ersten Ausgabe.

Eine Promo-CD mit tollen Inhalten hatten wir auch angekündigt, ebenso die Veröffentlichung des ersten Titels zur SPIEL in Essen. Das hat beides wunderbar geklappt, auch wenn es wirklich ein sehr straffer Zeitplan war. Der zweite Titel hat es nicht wie angekündigt noch im Dezember geschafft – dafür kommt er jetzt im Januar als Jahres-Opener: BodyTech. Die restlichen Projekte laufen alle gut, die Bücher bekommen wie versprochen ihre deutschen Erweiterungen und die Errata-Updates.

Außerdem haben wir, ebenfalls wie angekündigt, die Coverbilder ausgetauscht. Bisher läuft es also, bis auf die üblichen Holpersteine, recht rund.

 

Würfelheld: Mit dem Arsenal 2070 kam pünktlich zur SPIEL 2008 das erste deutsche Quellenbuch aus dem Hause Pegasus auf den Markt. Wie ist das Feedback zum Arsenal 2070?

Tobias Hamelmann: Im Allgemeinen sehr gut. Ich wurde öfters schon darauf angesprochen, dass das Buch einen sehr soliden Eindruck macht: Errata-Einarbeitung, neue Extras für die deutsche Ausgabe, neues, übersichtlicheres Layout (das noch verbessert wird). Zusätzliche Graphiken. Auch die Promo-CD, die mit dem Buch zusammen rauskam, hat sehr positives Feedback erhalten.

Mit dazu kam natürlich die Euphorie, dass es mit Shadowrun in Deutschland endlich weitergeht … die Fans und Spieler haben ziemlich lange gewartet. Jetzt heißt es allerdings, sich nicht auf den Lorbeeren eines erschienenen Buches auszuruhen, sondern weiterzumachen, damit Shadowrun nicht nur aufersteht, sondern auch durchs Leben tobt.

Dazu gehört, dass wir auf die Kritik am Buch im Speziellen hören. Es enthält wesentlich weniger Fehler als andere SR-Ausgaben, aber noch ist das Level verbesserungswürdig. Da arbeiten wir dran.

 

Würfelheld: Beim angesprochenen Arsenal 2070 kann man leider nicht verschweigen, das sich auch in die deutsche Version die Fehlerfee eingeschlichen hat. Was wird Pegasus in Zukunft dagegen tun?

Tobias Hamelmann: Die Fehlerfee wird ein ewiger Begleiter von komplexeren Regelsystemen sein, die in einer anderen Sprache erscheinen. Ich merke es selbst bei wesentlich etablierteren Publikationen außerhalb des Rollenspielsektors, welche Arbeit und welche Personenpower dahinter steht, ein Heft möglichst fehlerfrei zu machen. Solch einen Aufwand kann ein kleinerer Verlag gar nicht leisten.

Hinzukommt das Problem, dass anscheinend Übersetzungswerke mit komplizierten Regeln danach schreien, von der Fehlerfee geküsst zu werden. Wir werden daran arbeiten und Fehler bereinigen, so weit es eben geht. Es ist fraglich, ob wir je an Cthulhu herankommen, aber das ist einfach eine Frage des Regelwerkes selbst. Wo viele Regeln, Tabellen und Zahlen sind, die übersetzt werden und dann noch von verschiedenen Übersetzern (auch wenn wir ein Übersetzungsglossar führen), muss man einfach von einem höheren Fehlerlevel schon am Anfang der Produktion ausgehen. Innerhalb des Lektorates bekommt man immer einen guten Prozentsatz herausgefiltert – aber übrig bleibt halt doch immer etwas. Da optimieren wir noch.

Und hier noch mal ein Dank an die Fans: Sie weisen uns auf Fehler hin und geben uns Feedback, damit wir uns auch verbessern können und schauen, wie wir unsere Prozesse optimieren können. Und vor allem, damit wir Erratas erstellen können, wo immer das notwendig ist.

 

Würfelheld: Auf der SPIEL 2008 gab es für die Käufer des Arsenal 2070 ein kleines Goodie. Man bekam die CD „Into the Shadows“ hinzu. Wie kam diese an und können wir mit weiteren Goodies in dieser Richtung in Zukunft rechnen?

Tobias Hamelmann: Wie ich schon sagte, kam die CD sehr gut an. So gut, das in jedem Fall damit zu rechnen ist, dass wir so etwas noch mal machen werden. Gerade Interaktivität mit den verschiedenen Medien innerhalb eines Runs schreit danach, von einem System wie Shadowrun ausgenutzt zu werden. Mehr verrate ich aber nicht – 2009 ist lang und zudem ein Jubiläumsjahr für Shadowrun …

 

Würfelheld: A pro pro Goodies. Gibt es die Planung Shadowrun Merchandising Artikel, wie z.B. T-Shirts, Würfel oder anderes herauszubringen?

Tobias Hamelmann: Ja, die gibt es. Über Würfel wird nachgedacht, da sind wir aber nicht die Ersten, die über so etwas grübeln. Auch andere Merchandising Artikel sind im Gespräch – weitere konkrete Informationen wären aber deutlich verfrüht.

 

Würfelheld: Auf den deutschen Shadowrun Forums-Seiten findet sich ja langsam auch wieder die Gemeinde ein und tauscht sich aus. Stimmt Dich das positiv?

Tobias Hamelmann: Natürlich. Sehr sogar. Die Pegasus-SR-Seite war viel schneller voll und wurde mit Forenbeiträgen gefüllt, als ich dachte. Genau so ist es mit der Inplay-Shadowrunseite der Schockwellenreiter gewesen – obwohl wir deren Adresse nicht mal deutlich publik gemacht haben. Das war schon erstaunlich. Allerdings … da geht noch mehr. Wir wollen mehr Content auf den Seiten, mehr SR featuren, mehr Runs auf Messen anbieten – und hoffen, dass dann die Fanbasis auch noch stärker zunimmt.

 

Würfelheld: Wie beeinflußen die Forumsbeiträge Eure Arbeit bzw Planungen?

Tobias Hamelmann: Definitiv. Die Fans sollen die Bücher schließlich kaufen und haben dann auch ein Recht darauf, Kritik zu üben. Dementsprechend reagieren wir natürlich im Rahmen unserer Möglichkeiten. Aber nicht nur die Kritik, auch die Ideen und die Wünsche zählen. Sicherlich sind einige Sachen nicht durchführbar. Bei anderen Themen tritt man immer einer der unterschiedlichen Fraktionen auf die Füße. Letztlich können die Fans aber durchaus Einfluss auf ihr System nehmen – wie zum Beispiel bei der Titelsuche für den Band „Emergence“ geschehen, der im deutschen nun „Emergenz – digitales Erwachen“ heißen und noch in diesem Quartal erscheinen wird.

Es wird auch weiter Abenteuer-Wettbewerbe, Anfragen nach engagierten Leuten für mehr SR-Inhalte auf der Homepage und Meinungsanfragen im Forum geben.

 

Würfelheld: Wie sieht der deutsche Produktplan für Shadowrun 2009 aus?

Tobias Hamelmann: Jetzt kommt BodyTech heraus, das amerikanische Augmentation. Danach wird Emergenz – digitales Erwachen erscheinen, auch mit neuem Titelbild, das ich diese Woche noch zu sehen bekomme. So versprach es der Illustrator. Der Innenteil des Buches ist schon im Satz. Derweilen gehen die Arbeiten an dem deutschen Add-On zu Konzernenklaven weiter, das im zweiten Quartal erscheinen wird, nach Vernetzt (Unwired). Dazwischen, hoffentlich noch im ersten Quartal des Jahres, kommt auch eine neue Version des Grundregelwerkes auf den Markt. Keine Sorge, es ist immer noch Shadowrun 4, aber es wird neue Erratas und Ergänzungen enthalten. Mehr verrate ich noch nicht.

Für die NordCon planen wir ein größeres Shadowrunereignis. Das Runnerkompendium steht dieses Jahr auch auf der Liste, genau wie der Kampagnenband Ghost Cartels, mit dem wir allerdings etwas Besonderes vorhaben. Was, das verrate ich aber nicht. Es liegen da zwei oder drei Pläne im Schrank.

 

Würfelheld: Wird in Zukunft die Reihe, die ja durch den vorherrigen Verlag begonnen wurde, worin ja „München Noir“ und „Sox“ enthalten waren, von Pegasus vorgesetzt?

Tobias Hamelmann: Die Reihe der rein deutschen Publikationen? In 2009 wird es jedenfalls keine geben. 2010 ist in Planung, da kann ich noch nichts zu sagen, die Wahrscheinlichkeit ist aber gegeben. Wobei wir uns da mehr Aufwand machen werden – ich bin mit Peter Taylor, dem amerikanischen Linedeveloper, und mit dem französischen Verlag in Verbindung, damit man sich gemeinsam über das Spielfeld Europa einigt. Damit, was immer wir auch tun werden, alles internationaler Canon wird oder bleibt.

Deutsche Add-Ons wird es geben – das nächste in Emergenz über den Verlauf der Ereignisse des Buches in der ADL. Und in den Konzernenklaven wird, wie in Schattenstädten, eine komplette Stadt beschrieben sein: Frankfurt. Arsenal 2070, BodyTech und vielleicht auch Vernetzt werden oder wurden ebenfalls schon mit ein bisschen Zusatzstoff in der deutschen Ausgabe versehen – alles in Absprache mit den Amerikanern.

 

Würfelheld: Online findet man ja nun auch das „In-Game“ Forum „Schockwellenreiter.biz“. Was versprecht Ihr Euch davon?

Tobias Hamelmann: Wir wollen natürlich gerne das Spielfeld ADL bearbeiten und den deutschen Metaplot vorantreiben. Mit einem Buch und ein bisschen Zusatzmaterial jedes halbe Jahr ist da immer nur in größeren Schritten etwas zu machen. Damit es aber eine lebendige Welt wird, die sich entwickelt und nicht von Großereignis zu Großereignis stolpert, wollen wir das Medium Internet nutzen und der ADL so ein Gesicht geben. Wichtig dabei ist, dass die Fans an ihrer Welt mitarbeiten können – oder zumindest zeigen können, in welche Richtung sie sich entwickeln soll. Und mit ihren Runnern dabei sein können, wenn die nächsten Ereignisse ihre Schattenumgebung beeinflussen.

 

Würfelheld: Da wir gerade beim Online Auftritt sind. Wie steht Pegasus „Fanpages“ und „Fanblogs“ gegenüber?

Tobias Hamelmann: Gut. Wie auch sonst. Alles andere wäre ja auch Blödsinn. Shadowrun soll bekannter werden und das wird es nur, wenn viel darüber geredet wird. Fanblogs und –pages sind eine der Möglichkeiten, Fans neuen Stoff für ihr System zu liefern, ob nun offiziell oder als tolle Anregung. Dementsprechend steht Pegasus dem offen und sehr erfreut gegenüber.

 

Würfelheld: Bei den „Amis“ ist „Digital Grimoire“ veröffentlicht worden. Werdet Ihr auch dieses Produkt übersetzen und wie wird es dann zur Verfügung gestellt?

Tobias Hamelmann: In wie fern alle amerikanischen Sachen übersetzt und veröffentlicht werden, ist noch nicht raus. Die Regelwerke werden natürlich alle in den deutschen Sprachraum transferiert. Bei den Quellenbüchern wird es sicherlich ein paar wenige Ausnahmen geben: Ob man ein Seattle-Quellenbuch übersetzt, ist derzeit eher fraglich. Die Online-Veröffentlichungen sind noch eine Planungsangelegenheit. Es gibt mehrere unterschiedliche Überlegungen, was man im deutschen Bereich mit digitalen Veröffentlichungen der Amerikaner macht. Ignorieren werden wir sie jedenfalls nicht.

 

Wüfelheld: Ein leidhaftes Thema ist die derzeitige Lage der deutschen Shadowrun-Romanlizenz. Wie steht es zur Zeit um diese und bemüht sich Pegasus um selbige?

Tobias Hamelmann: Da kann ich leider noch gar nichts zu sagen.

 

Würfelheld: Ein viel diskutiertes Thema in der Szene ist der „fehlende“ Nachwuchs. Wie tretet Ihr dem gegenüber?

Tobias Hamelmann: Der Nachwuchs bei den Spielern? Den hoffen wir mit Einsteigerrunden zu fördern. Die nächsten wird es vermutlich wieder auf der RPC geben und sie werden sich, wie die Runden auf der SPIEL 2008, an komplette Rollenspieleinsteiger richten. Genau wie die Schnellstartregeln, die wir schon veröffentlicht haben und die eine sehr abgespeckte Version der Grundregeln darstellen.

Sicherlich werden wir da noch das ein oder andere mehr machen, um die Szene allgemein zu beleben. Das eigentliche Problem ist, dass immer nur auf Rollenspiel-Conventions Rollenspiel gefeatured wird. Crossmarketing gibt es derzeit definitiv viel zu wenig. Die Promo-CD von uns ist ein erster kleiner Anlauf, da mal was in die Wege zu leiten, denn der Song, der auf der CD ist, findet sich auch in Musikmagazinen wieder – mit Verweis auf das Rollenspiel Shadowrun.

Was den Autoren-Nachwuchs anbelangt: Auch den können wir immer gebrauchen. Der Novapuls soll dazu dienen, dass sich Jungtalente da austoben und etablieren können, wenn sie Zeit und Lust und vor allem Engagement haben. Wenn der Novapuls dann mal endlich gestartet ist …

 

Würfelheld: So nun möchte ich Dich noch bitten ein paar Fragen rund um Deine Person zu beantworten, so dass der Leser noch einwenig mehr über meinen WürfelView Partner erfährt.

Tobias Hamelmann: Gerne.

 

Würfelheld: Rollenspiel ist für Dich?

Tobias Hamelmann: Entspannung. Bei den Rollenspiel-Treffen, zu denen ich fahre, spiele ich gerne und komme dann immer sehr entspannt zurück in den Alltag. Allerdings meistens auch sehr müde.

 

Würfelheld: Was verbindest Du mit Familie?

Tobias Hamelmann: Wohlbefinden und Heimat. Sowohl bei meinen Eltern, als auch mit meiner Partnerin.

 

Würfelheld: Was wünscht Du Dir für 2009?

Tobias Hamelmann: Mehr Shadowrun-Spieler. Mehr Zusammenhalt in der Rollenspielszene, damit man gemeinsam den Markt ausbreitet und Rollenspiel publik macht. Von hundert Leuten weiß kaum einer, was es mit Rollenspielen auf sich hat. Das müsste geändert werden, ist aber ohne Werbeetat nicht einfach.

Und ansonsten: Viel Urlaub und viel Arbeit.

 

Würfelheld: Lieblingsbuch?

Tobias Hamelmann: Die letzten ihrer Art von Douglas Adams. Schnellschussentscheidung, es gibt viele Bücher, die ich gerne mag.

 

Würfelheld: Du hast drei Wünsche bei einer Fee frei. Was wünscht Du Dir?

Tobias Hamelmann: Glücklich sein. Da sind vermutlich eine ganze Menge anderer Teilwünsche enthalten, die sicherlich maßlos klingen würden, wenn ich sie alle aufzählen würde. Mehr Zeit wäre sicherlich einer. Und … wie sieht die Fee denn aus?

 

Würfelheld: So damit hast Du es auch schon geschafft. Ich bedanke mich nochmals für Deine Zeit und hoffe Du hattest einwenig Spaß beim WürfelView. Somit überlass ich Dir die letzten Worte!

Tobias Hamelmann: Danke, gerne, immer wieder.


WuerfelView 05: im Plausch mit Andrè Wiesler

23. November 2008

andrewiesler_bildAndrè Wiesler ist der mittlerweile fünfte Interview Partner in der WürfelView-Reihe. Wer mehr über „Die Chroniken des Hagen von Stein“, Andrè`s Arbeit als Übersetzer, zukünftige Projekte und vieles mehr wissen will, sollte sich das WürfelView zu Gemüte führen.

Ihr könnt Euch das WürfelView auch downloaden

—>>> wuerfelview_05_andre_wiesler <<<—

 

 

Hallo Andrè,

zuerst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das WürfelView genommen hast. Ich hoffe ja, es macht Dir ein wenig Spaß, meine Fragen zu beantworten.

Andrè Wiesler: Sehr gern, als Autor macht es immer Spaß, über die eigenen Werke zu reden. (lacht)

 Wüfelheld: Mit dem dritten Band zu „Die Chroniken des Hagen von Stein“ mit dem Namen „Wolfsfluch“, ist mittlerweile Dein zehnter Roman veröffentlicht worden. Hättest Du Dir das vor fünf oder sechs Jahren träumen lassen?

Andrè Wiesler: Nein, wirklich nicht. Aber eines kam zum anderen und mit jeder sich bietenden Gelegenheit wurde es ein Buch mehr. Stellenweise schrieb ich ja sogar an zwei Büchern gleichzeitig. Allerdings wird mein „Output“ wohl in den nächsten Jahren etwas geringer werden – ich bin ja seit einem halben Jahr Vater.

 Würfelheld: Kannst Du uns einen Einblick in „Die Chroniken des Hagen von Stein“ geben?

Andrè Wiesler: Sehr gern. Die Chronik beschreibt in drei Bänden das Leben Hagen von Steins, das im Mittelalter als Ritter seinen Anfang nimmt und erzählenswert ist, weil Hagen nicht nur ein Werwolf ist und es mit Vampiren und Hexen zu tun bekommt. Im Laufe der Bücher stellt Hagen auch so einiges an, das sogar bis in unsere Jetztzeit Auswirkungen hat, wie der Inquisitor Georg von Vitzthum feststellen muss, der den „König der Vampire“ jagt.

 Würfelheld: Als Du „Die Chroniken des Hagen von Stein“ geschrieben hast, konntest Du Dich da in die einzelnen Charaktere hineinversetzen und sogar mitfühlen?

Andrè Wiesler: Manches Mal tat es mir schon leid, was ich Hagen und Georg so alles antun musste, aber für eine gute Geschichte müssen die Figuren schon einmal leiden. (lacht) Natürlich versucht man sich als Autor immer auch in die Figuren hineinzuversetzen, um ihre Motivationen und Gefühle glaubhaft zu schildern. Das kann vor allem bei den „Bösen“ auch schon mal an die Nieren gehen. Den Tod eines Kindes zu schildern ist gerade seit ich Vater geworden bin, nicht mehr ohne eigene Emotionen möglich. Aber wie gesagt: Wenn die Geschichte es erfordert, um zu funktionieren, muss es eben sein.

Würfelheld: Wie umfassend ist die Identifikation mit Deinen Werken und den Protagonisten?

Andrè Wiesler: Ich habe alle meine Bücher, bis auf ein recht frühes Werk, das ich hier natürlich nicht benennen möchte, so gut geschrieben, wie es mir zum Zeitpunkt des Verfassens möglich war und stehe auch hinter jedem einzelnen. Ich hoffe natürlich, dass ich mich im Laufe der Jahre als Schriftsteller verbessert habe und würde darum z.B. Shelley heute vermutlich etwas anders schreiben.

Was die Identifikation mit den Figuren angeht: Ein bisschen was habe ich dazu ja schon gesagt. Man hat natürlich seine Lieblinge, aber so weit wie z.B. im Rollenspiel geht die Identifikation nicht. Man muss als Autor ja einigermaßen neutral bleiben, sonst lässt man die Hauptfigur am Ende aus Mitleid zu glimpflich davonkommen.

Würfelheld: Wie bist Du auf die Idee/Ideen zu „Hagen“ gekommen?

Andrè Wiesler: Ich hatte schon länger eine Julia-und-Romeo-Geschichte mit Vampiren und Werwölfen im Kopf und dazu auch schon ein Drehbuch-Treatment geschrieben. Etwa zur gleichen Zeit kam „Underworld“ ins Kino und damit war diese Idee fürs Kino erstmal verbrannte Erde. Aber einige Jahre später habe ich die Idee noch mal aus der Schublade geholt und zu einer Romanidee umgearbeitet.

Würfelheld: Du tourst ja nun schon einige Zeit mit Deinem „Multimedialen Vortrag“ durch die Lande. Wie ist es dazu gekommen und worum geht es genau?

Andrè Wiesler: Während meiner Recherche zu den Chroniken sind mir eine Unmenge interessanter Geschichten zu Übernatürlichen Wesen aller Art und aller Länder untergekommen, von denen die meisten dann nicht den Weg in das Buch gefunden haben. Ich fand sie aber zu unterhaltsam, um gar nichts mit ihnen anzustellen, und so wurde die Idee zu „Von Blutsaugern, Hexen und Menschenfressern“ geboren. Der Vortrag stellt eine Mischung aus Lesung und spannenden Informationen über die Wesen der Nacht dar – je nach Publikum und gewünschter Länge mit unterschiedlichen Schwerpunkten. So ist der Vortrag für Buchhandlungen, Cons und Firmenveranstaltungen gleichermaßen geeignet und kann von 30 bis 130 Minuten dauern.

Würfelheld: Wird es den Vortrag irgendwann mal als Download geben?

Andrè Wiesler: Eher nicht – so etwas lebt davon, dass man es als Publikum live erlebt und sich gemeinsam gruselt. Und außerdem möchte ich natürlich auch noch gebucht werden (lacht). Das ist übrigens unter www.andrewiesler.de möglich.

Würfelheld: Nachdem die „Chroniken“ ja abgeschlossen sind frag ich mich, was können wir als nächstes von Dir erwarten?

Andrè Wiesler: Ich denke, es ist an der Zeit, mal wieder etwas Neues auszuprobieren. Im Moment steht meine Agentin mit verschiedenen Verlagen in Verhandlungen, aber voraussichtlich wird mein nächstes Werk wohl ein Jugendbuch.

Würfelheld: Du hast bekanntlich ja auch einige Romane zu „Das schwarze Auge“ und „Shadowrun“ geschrieben. Wird da was nachkommen?

Andrè Wiesler: Ich habe noch immer das Konzept zu „Shelley 2“ in der Schublade. Wenn der Verlag, der schlussendlich die Romanlizenz für Shadowrun erhält, mir da ein akzeptables Angebot macht, könnt ihr Simmons und Walker 2070 erleben. Mit DSA habe ich mich lange nicht mehr beschäftig und bei der rasanten Entwicklung des Hintergrundes ist dieser Zug für mich wohl abgefahren.

Würfelheld: Nachdem es ja bei Dir im Hause Nachwuchs gab, ist da vielleicht auch der Bereich „Jugend und Kinderbücher“ ein Thema?

Andrè Wiesler: siehe oben. (lacht)

Würfelheld: Du hast mir auf der RatCon erzählt, dass Du nun mit einer Agentur zusammenarbeitest.. Hat sich dieser Entschluss schon gelohnt und wo wirst Du nun entlastet?

Andrè Wiesler: Meine Agentin Natalja Schmidt von Schmidt und Abrahams nimmt mir vor allem die Kommunikation mit den Verlagen ab und kümmert sich um die Verträge und Honorare – all die bürokratischen Dinge also, die mich sonst vom Schreiben abhielten. Außerdem ist sie eine erste Kritikerin all meiner Ideen und berät mich in Sachen Branche. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall.

Würfelheld: Was würdest Du jungen Autoren empfehlen, wenn sie ihre Werke an den Verlag bringen wollen?

Andrè Wiesler: Sucht euch vorher Kritiker, die euch wohlmeinend aber schonungslos helfen, das Werk möglichst präsentabel zu gestalten. Sucht sorgfältig aus, welche Verlagen euer Buch überhaupt drucken wollen würden und fragt nach, wie ihr euer Exposé einreichen sollte, da sind die Vorlieben unterschiedlich (auf keinen Fall das ganze Manuskript schicken). Legt euch ein dickes Fell zu, gewöhnt euch an Standardbrief-Absagen und lasst euch von ihnen nicht unterkriegen und geduldet euch – Verlage brauchen manchmal Monate, um zu antworten, weil die Lektoren völlig überarbeitet sind.

Würfelheld: Man sieht Deinen Namen auch immer öfter im Zusammenhang mit Übersetzungsarbeiten (Stardoc, Lila Black 2). Kommt da noch was auf uns in naher Zukunft zu?

Andrè Wiesler: Ich übersetze eigentlich ständig „nebenher“ – es stellt eine schöne Ablenkung von der eigenen Schreibarbeit und nicht zuletzt ein regelmäßiges, kalkulierbares Honorar dar.

Würfelheld: Wie siehst Du die Arbeit als Übersetzer? Ist es nicht sehr anstrengend, anderer Leute Handwerk zu bearbeiten?

Andrè Wiesler: Es ist eine andere Art Arbeit. Manchmal muss man sich schon beherrschen, um nicht Dinge zu ändern, die man selbst anders geschrieben hätte. Aber andererseits kann man bei einer solchen Bearbeitung fremder Texter viel lernen – sowohl was man besser machen kann als auch, was man vermeiden sollte.

Würfelheld: Du warst letztlich ja, wie auf Deiner Homepage zu sehen ist, bei NRW TV zu Gast. Wie war die Resonanz darauf?

Andrè Wiesler: Verhalten. (lacht) Das ist aber nicht anders zu erwarten. Fernsehzuschauer geben ja selten Feedback, wie sie eine Sendung fanden. Entweder schauen sie zu oder schalten um, aber das ist für mich nicht zu erkennen. Auch ob Zuschauer auf die Sendung hin das Buch kaufen lässt sich ja nicht überprüfen.

Würfelheld: Zum Abschluss würde ich Dir gerne ein paar Stichwörter bzw kurze Fragen stellen das Du die Antworten genauso knapp hältst, sodass ein wenig mehr von der Person Andrè ans Licht kommt.

Andrè Wiesler: Nur zu.

Würfelheld: Lieblingsbuch?

Andrè Wiesler: „Die Unendliche Geschichte“

Würfelheld: zu letzt gelesenes Buch?

Andrè Wiesler: „Das Mädchen auf dem Seil“ von Heiko Wolz.

Würfelheld: No-Go Buch?

Andrè Wiesler: „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche.

Würfelheld: Lebensmotto?

Andrè Wiesler: Was du heute kannst besorgen …

Würfelheld: Was trinkst Du beim Lesen?

Andrè Wiesler: Wasser.

Würfelheld: Brauchst Du ein bestimmte Stimmung, um in einem Buch zu schmökern?

Andrè Wiesler: Stimmung: nein. Zeit: ja.

Würfelheld: So, damit wären wir dann am Ende angelangt und es bleibt mir nur noch, mich herzlichst zu bedanken. Ich hoffe, Du hattest genau so viel Spaß wie ich. Somit überlasse ich Dir das letzte Wort.

Andrè Wiesler: Ich bedanke mich für die Gelegenheit, über meine Werke zu sprechen und hoffe, dass meine Leserschaft mir auch weiterhin so treu bleibt. An dieser Stelle soll einmal Dank ausgesprochen sein für die vielen positiven Rückmeldungen und die wertvollen Hinweise.

Weitere Infos unter:

Andrè Wieslers Homepage

Hagen von Stein Homepage

 

 


WuerfelView 04: Jan-Tobias Kitzel stellt sich!

13. November 2008

Hallo Leute,

kurz ein paar Worte zur Einleitung. In dieser Ausgabe hat sich Jan-Tobias Kitzel meinen Fragen zu LodlanD, Flammenmeer, Shadowrun und vieles mehr gestellt.

Eine kleine Änderung gibt es dann auch noch zu Vermelden. Mit dieser Ausgabe gibt es nun die Möglichkeit des online lesens und des Donwloads.

Dann mal viel Spaß!

—> wuerfelview04_mit_j_t_kitzel  <—

 

Hallo Jan-Tobias,

vielen Dank für Deine Zeit. Fangen wir auch gleich mit dem WürfelView an, so dass Du heute auch noch was anderes machen kannst.

Würfelheld: Viele Leute kennen Dich durch Deine Arbeit beim Envoyer und als Verantwortlicher bei LodlanD. Woran arbeitest Du zur Zeit?

Jan-Tobias: Ich lege gerade die letzte Hand an das Layoutlektorat des nächsten LodlanD-Bandes, dem Länderband zu Scientia und Kobe-Uppland. Außerdem erstelle ich ein Abenteuer für die nächste Ausgabe des Envoyers, der ja als Heft im Heft im SpielXPress erscheint.

Würfelheld: Der Envoyer wandert ja als Beilage in die SpielXPress über. Wie sieht es da bei Dir aus, wirst Du noch was mit dem Envoyer zu tun haben oder ist der Lebensabschnitt vorbei?

Jan-Tobias: Ich bin ja schon vor einiger Zeit beim Envoyer ausgestiegen, weil ich es zeitlich einfach nicht mehr unterbekommen habe. Wenn ich bei einem Projekt mitmache, will ich auch genug Zeit dafür über haben, vernünftige Qualität abzuliefern. Also ganz oder gar nicht. Dass ich jetzt nochmal was für den Envoyer mache, beruht auf einer Anfrage von André Wiesler, dem Chefredakteur des Envoyers. Ansonsten ist das Thema Envoyer für mich abgeschlossen, so schade das bei diesem tollen Team auch ist.

Würfelheld: Dieses Jahr merkte man dass die Präsenz von LodlanD auf Messen und Conventions etwas nachgelassen hat. So fand man auf der diesjährigen RatCon die Produkte bei der Redaktion Phantastik und auf der SPIEL wart Ihr auch nicht mit einem eigenen Stand vertreten. Wie geht es also mit LodlanD weiter?

Jan-Tobias: Wir bringen jetzt erst mal den Länderband zu Scientia und Kobe-Uppland heraus. Danach folgen die – bei uns ja üblichen und von fast allen Fans gelobten – wöchentlichen Metaplots, Kurzgeschichten und sicherlich auch Abenteuer. Genug zu tun ist also in jedem Fall.

Würfelheld: Wie stehst Du Fanprojekten von LodlanD gegenüber?

Jan-Tobias: Aufgeschlossen. Wir freuen uns über jedes Fanprojekt. Besonders möchte ich hier die Jungs von LodlanD.info hervorheben, die in ihrer aktiven Zeit wirklich tolle Sachen für LodlanD auf die Beine gestellt haben. Da sich diese Gruppe nun umorientiert hat, ist das zwar eingeschlafen, aber ähnlichen Projekten stehen wir aufgeschlossen gegenüber. Nichtsdestotrotz muss man schon festhalten, dass in der Rollenspielwelt viele Fanprojekte kurz aufflackern, nur um dann ebenso schnell wieder eingestellt zu werden. Die wirklichen Perlen, wo sich Leute mit Spaß und vor allem Durchhaltevermögen dran setzen, sind die Ausnahme.

Würfelheld: Lassen wir LodlanD nun „unter“ uns und kommen wir zu Deinem Romandebüt bei FanPro zu sprechen. Flammenmeer, ein Roman in der Welt von Shadowrun, war dieses. Wie kam es zu diesem Projekt?

Jan-Tobias: Ich hatte schon lange Lust, einen Roman zu schreiben und als Shadowrun-Spieler, der mittlerweile auf über 13 Jahre Rollenspiel in dieser Welt zurückblicken kann, bot sich Shadowrun da einfach an. Ich liebe die Welt von Shadowrun aufgrund ihrer vielfältigen Möglichkeiten, auch wenn sie Neueinsteiger aufgrund ihres Umfangs sicherlich leicht abschrecken kann (das Problem vieler älterer Rollenspielwelten, die über die Jahre in Umfang und Komplexität gewachsen sind). Dann habe ich entsprechende Gespräche mit FanPro aufgenommen, ein Exposé eingereicht, auf Basis der Vorstellungen von FanPro überarbeitet und nach entsprechendem „Daumen hoch“ mich dann an die Arbeit gemacht.

Würfelfheld: Wie ist die Idee zu „Flammenmeer“ entstanden?

Jan-Tobias: Relativ spontan. Ich mag es, unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen zu lassen, wie in „Flammenmeer“ den bürgerlichen Juwelier und die erfahrenen Shadowrunner. Alle leben, obwohl sie in derselben Stadt ihr Zuhause haben, in völlig unterschiedlichen Welten. Diese Gegensätze vermischt mit einem Schuss Magie und den neuen Matrixmöglichkeiten von Shadowrun4 und schon war die Idee zu „Flammenmeer“ geboren.

Würfelheld: Wie lange hast Du an der Umsetzung dieser Idee gesessen?

Jan-Tobias: Gut ein Jahr. Der Vorteil war, dass ich zu dem Zeitpunkt noch studiert habe. Dadurch konnte ich mir die Zeit viel besser selbst einteilen, insbesondere in meinem Diplomsemester. Da die absolute Priorität natürlich auf meinem Diplom (Diplom-Wirtschaftsjurist [FH]) lag, war eine schnellere Erstellung des Romans nicht möglich.

Würfelheld: Wenn man sich die Online-Bewertungen von Flammenmeer anschaut, ist der Roman bei den Shadowrun Lesern ein wenig umstritten. Wie gehst Du mit diesem Feedback um und welche Schlüsse ziehst Du daraus für zukünftige Projekte?

Jan-Tobias: Insgesamt bin ich zufrieden. Man muss dazu einfach vergleichen, mit welchem Anspruch ich an „Flammenmeer“ rangegangen bin: Es sollte ein Roman werden, der einfach unterhaltsam ist. Popkorn-Kino, Action, Emotionen, Spaß. Und wenn man sich dann die entsprechenden Rezensionen und die Amazon-Bewertungen anschaut, dann bestätigen die meisten, dass sie auf jeden Fall unterhalten wurden und den Roman flüssig weg gelesen haben und ihren Spaß dabei hatten. Hauptkritikpunkt waren bei den meisten Rezensenten der Tiefgang und der Spannungsbogen im letzten Drittel des Romans. Mit ersterem kann ich gut leben, da „Flammenmeer“ eben einfach nur Popkorn-Kino sein soll und letzteres nehme ich mir für meinen nächsten Roman in jedem Fall zu Herzen. Ich bin da völlig ehrlich, sowohl zu mir, als auch zu jedem, der fragt: „Flammenmeer“ ist mein Erstlingswerk gewesen und dafür bin ich mit der Qualität zufrieden, wohlwissend, dass ich – hätte ich mehr Romanerfahrung – „Flammenmeer“ sicherlich anders geschrieben hätte. Man lernt einfach nur durch Übung. Insgesamt bin ich zufrieden, nehme entsprechende Verbesserungsmöglichkeiten fürs nächste Mal mit und habe mich aber auch sehr über das positive Feedback von Lesern gefreut, die mir entsprechende Emails geschrieben oder mit mir auf Cons gesprochen haben.

Würfelheld: Nun ist ja seit einiger Zeit bekannt, dass Pegasus Spiele die deutsche Shadowrun Lizenz erlangt hat, allerdings herrscht bei der Roman Lizenz noch Unklarheit. Wie fandest Du diese Entscheidung?

Jan-Tobias: Bei Pegasus ist Shadowrun in guten Händen, da mache ich mir keine Sorgen. Insbesondere die Entscheidung, Tobias „Tigger“ Hamelmann als Chefredakteur auszuwählen, stimmt mich für die Zukunft von Shadowrun positiv. Pegasus muss jetzt einfach schauen, dass sie genügend Ressourcen einsetzen, um den Veröffentlichungsabstand zwischen den englischen SR-Publikationen und den deutschen schnellstmöglich zu verringern. Die deutsche SR-Gemeinde hat lange genug warten müssen.

Die Romansituation ist natürlich unangenehm, da sicherlich nicht nur ich weitere Shadowrun-Romanideen noch in der Hinterhand habe und gerne weiter in diesem Universum publizieren würde. Da kann man nur auf eine zügige Klärung hoffen.

Würfelheld: Wird es, sobald die Lizenzfrage geklärt ist einen weiteren Shadowrun Roman aus Deiner Feder geben?

Jan-Tobias: Wie man aus der Antwort auf die letzten Frage schon heraushören konnte: Ich möchte auf jeden Fall. Ob der Verlag, der letztlich die Lizenz erhält, das ebenfalls möchte, muss man dann klären und es ist natürlich auch eine Zeitfrage. Shadowrun ist das erste Rollenspiel, das ich jemals gespielt habe und mein Herz hängt an dieser Welt. Ich würde mich sehr freuen, weitere SR-Romane schreiben zu dürfen, solange es mit meinem zeitraubenden Beruf vereinbar ist. Das ist natürlich immer die Grundbedingung. Denn reich wird man im Rollenspiel an keiner Stelle, sei es als RPG-Autor, Romanschreiberling oder bei einem Magazin. Das berufliche Vorankommen steht da bei mir an erster Stelle und damit muss jede andere Tätigkeit vereinbar sein. Aber wenn es unter einen Hut passen könnte – also ein entsprechender Zeithorizont für einen Roman vereinbart werden kann UND eben die Lizenzfrage geklärt ist – wäre ich gern wieder mit einem SR-Roman dabei.

Würfelheld: Wie sieht es den mit einem Roman außerhalb eines bekannten Rollenspiel-Universums aus? Was würde Dich da reizen?

Jan-Tobias: Erwischt. Ich arbeite gerade an einem Sci-Fi-Roman, der unabhängig vom Rollenspiel ist. Klassische Nah-Sci-Fi mit einem Schuss Endzeit. Da ich mir allerdings nur sehr unregelmäßig größere Zeitabschnitte dafür freiboxen kann, kann das noch entsprechend dauern, bis ich ihn soweit fertig habe, dass ich ihn Verlagen bzw. wohl eher Agenturen antragen kann.

Wüfelheld: Du hast auf Deinem Blog www.jtkitzel.de ja auch was zum Thema „Nackter Stahl verklagt Prometheus Games“ veröffentlicht. Wie hast Du die Sache gesehen und wie beurteilst Du dieses, auch in Hinblick auf die Zukunft des RPG-Marktes?

Jan-Tobias: Zum einen muss man sehen, dass es natürlich auch einem Rollenspielunternehmen freigestellt sein muss, sich rechtlicher Mittel zu bedienen, wenn sie es als notwendig ansehen. Die RPG-Gemeinde sollte bitte nicht glauben, dass wir da eine Insel der Glückseligen sind, wo die Juristerei bitte außen vor bleiben sollte, das ist schlicht blind. Zum anderen hat Nackter Stahl innerhalb der RPG-Gemeinde mit der Aktion sicherlich ein Eigentor geschossen. Man musste sich nur auf der SPIEL mit den Kollegen von RPG-Magazinen, Bloggern oder eben einfach anderen Spielern unterhalten: Nackter Stahl ist bei vielen unten durch, meiner Meinung nach haben die Verantwortlichen dort einfach nicht weit genug gedacht. Eine derartige Aktion – egal ob sie juristisch berechtigt sein sollte oder nicht – kommt in einer derart kleinen Gemeinde wie der RPG-Welt eben einfach nicht gut an. Zum rein juristischen Teil kann man derzeit bei einem schwebenden Verfahren naturgemäß noch nichts sagen, insbesondere weil wir als Außenstehende ja nur über einen Teil der Informationen verfügen und diese daher mit der gebotenen Vorsicht genießen sollten. Auf der Basis dieser beschränkten Informationen halte ich – wie im Blog-Beitrag auf jtkitzel.de ja schon angeklungen – die juristische Argumentation von Nackter Stahl für wenig erfolgsversprechend und – das ist meine rein persönliche Meinung – für zum Teil einfach nur hanebüchen.

Zu den Auswirkungen für den RPG-Markt nach denen du gefragt hast: Meiner Meinung nach gar keine. Nackter Stahl wird einfach selbst sehen, welchen „Gefallen“ sie sich damit getan haben, insbesondere wenn es darum geht, neue Autoren zu finden oder Lizenzen an Land zu ziehen. Und ansonsten werden die RPG-Verlage einfach weiterarbeiten wie bisher, da sehe ich keine größeren Änderungen. Letztlich ist immer die Gefahr von juristischen Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen gegeben, aber das ist im Rest der Wirtschaft ja auch nichts anderes. Ich kann mich da nur wiederholen: Wir sind keine Insel der Glückseligen, auch in der RPG-Gemeinde kann sich gegenseitig verklagt werden. Einfach aufgrund der Familiarität der Branche – es kennt einfach jeder jeden – werden die meisten ihre Probleme aber wohl eher per Telefon klären, als sich zu verklagen, da man in unserer Branche durch eine derartige Aktion wie sie Nackter Stahl gewählt hat, sich schnell selbst beerdigt.

Wüfelheld: So seit der letzten Ausgabe der WürfelView Reihe habe ich mir vorgenommen zum Schluss ein paar knappe Fragen zu stellen, die knapp und schnell beantwortet werden sollen. Damit möchte ich den Lesern die Person Jan-Tobias Kitzel etwas näher bringen. Also fangen wir mal an!

Würfelheld: Derzeitiger Lieblingsfilm?

Jan-Tobias: All-Time-Favorite: Equilibrium. Und die alten Star-Wars-Filme.

Würfelheld: Rollenspiel ist für Dich?

Jan-Tobias: Ein außergewöhnliches Hobby. Wohl das kreativste, das ich kenne. Und eines der geselligsten.

Würfelheld: Deine Top 5 Filme?

Jan-Tobias: Equilibrium. Star Wars IV, V, VI (also die alten Teile), Matrix I.

Würfelheld: Familie ist….?

Jan-Tobias: Das Wichtigste im Leben, der Rückzugsort, Geborgenheit.

Würfelheld: So geschafft. Ich möchte Dir aber noch die Gelegenheit einräumen, ein paar letzte Worte zu verfassen und das WürfelView so in Deinem Sinne abzuschließen. Danke nochmals für Deine Zeit!!!

Jan-Tobias: Erst einmal Danke für das Interview, es hat Spaß gemacht. Ich wünsche dem Rollenspiel an sich einfach eine erfolgreiche Zukunft, allen – meiner Meinung nach leider berechtigten – pessimistischen Ausblicken zum Trotz. Lasst uns einfach Spaß an unserem Hobby haben. Roll on.

 

 

Mehr Informationen: www.jtkitzel.de 

 


WuerfelView 03: mehr zu Farelia? Records mit Paul-Simon Ramm

31. Oktober 2008

Diesesmal erfahrt Ihr mehr über Farelia? Records. Einem kleinen Horspiel-Label was durch „Jäger der Finsternis“ bekannt sein sollte.

Ich habe die Chance gehabt, mit Paul-Simon Ramm, der u.a. hinter Farelia? Records steckt, über das neue Projekt „Now“, was am 02.10.2008 Premiere feierte (Würfelheld berichtete) und einiges mehr zu sprechen.

Wer mehr zu Farelia? Records wissen möchte, sollte sich das WuerfelView —> wuerfelview03_mit_paul_simon_ramm <— downloaden und einen Blick auf die Website werfen.

Viel Spaß beim lesen wünscht,

Euer Würfelheld.


WürfelView 02: David Grashoff über Ratten!! & mehr

17. Oktober 2008

Hallo Leute,

vor einigen Tagen stand mir David Grashoff für ein kleines Interview zur Verfügung.

Also runterziehen —>>> wuerfelview02_mit_david_grashoff  <<<— , öffen, lesen und einwenig mehr zu Ratten, Funky Colts, Disturbania und zukünftige Projekte erfahren.

Viel Spaß wünscht,

Euer Würfelheld


WürfelView 01: im Gespräch mit Christian Loewenthal zum Thema „OPUS ANIMA“

1. Oktober 2008

Hallo Leute,

vor einigen Tagen wurde ja bekannt, das „OPUS ANIMA“ beim Prometheus-Games-Verlag erscheinen wird.

Dieses habe ich zum Anlass genommen mich mit Christian Loewenthal, Verlagsleiter bei Prometheus Games, kurz darüber zu unterhalten.

Im Anhang findet Ihr  das WürfelView als PDF-Download.

Und nun wünsch ich Euch viel Spass beim lesen!

Euer Würfelheld

 

wurfelview_01_ch_loewenthal